Press release · 10.07.2026 Ohne Kohle nützt der beste Plan für Bus und Bahn nichts

Zum neuen landesweiten Nahverkehrsplan erklärt die verkehrspolitische Sprecherin der SSW-Landtagsfraktion, Sybilla Nitsch:

Im neuen Nahverkehrsplan sehen wir Licht und Schatten. Dass es die Flensburger Projekte Fernbahnhof Weiche sowie die bessere Anbindung der Innenstadt ans Schienennetz endlich hineingeschafft haben und mit Geld hinterlegt sind, ist ein Riesenerfolg. Unser beharrliches Dranbleiben hat sich gelohnt! Weiche und Innenstadt-RE werden hoffentlich zum Gamechanger für die Anbindung der Förde-Stadt, die in den letzten Jahren leider im wahrsten Sinne des Wortes aufs Abstellgleis geraten ist. Auch vom sogenannten Flügel-Konzept könnte Flensburg profitieren, wenn sich die Züge aus Kiel nach Husum in Jübek aufteilen und eine weitere Verbindung in den Norden geschaffen wird. Wobei es wünschenswert wäre, wenn auch die Westküste und der Großraum Husum von den Änderungen profitieren könnten. Auch die Marschbahn-Elektrifizierung samt der Einrichtung von Stationen in Nordfriesland und in Schleswig-Flensburg als Bedarfshalte in den LNVP sind wichtige Weichenstellungen für den ÖPNV im Nordwesten. Dass nun endlich auch die neue Lindaunisbrücke Form annimmt und hoffentlich ab dem kommenden Jahr wieder für Zug und Pkw befahrbar wird, ist ein wichtiger Lichtblick für die Region Rendsburg-Eckernförde. 
 
Jedoch nützt der beste Nahverkehrsplan nichts, wenn die Verzahnung von Bus und Schiene nicht läuft. Wenn Busse einfach nicht mehr fahren und Zugverbindungen abbestellt werden, weil schlicht die Kohle fehlt. Die Kosten für den Busverkehr sind seit 2019 von rund 32 Millionen auf inzwischen etwa 160 Millionen Euro explodiert. Gleichzeitig verharren die Landesmittel praktisch auf demselben Niveau. Das ist Realitätsverweigerung der Landesregierung – und ein mieses Foul gegenüber all den Menschen, die auf den Bus angewiesen sind. In vielen Regionen ist der Bus die einzige verbliebene Form öffentlicher Mobilität. Gerade in den Nordkreisen ist die Anbindung vieler Orte schon heute schlecht. Passenderweise hat Minister Madsen in dieser Woche selbst eingesehen, dass er sein Versprechen der Mobilitätsgarantie über Bord werfen muss – ein Trauerspiel! 
 
Wir fordern deshalb eine echte Dynamisierung der Landesmittel statt eingefrorener Haushaltstitel, eine verlässliche Förderung für emissionsfreie Busverkehre und endlich Ehrlichkeit bei den tatsächlichen Kosten der Mobilitätswende. Denn es bewirkt das Gegenteil, wenn gerade in den ländlichen Räumen Bahnverbindungen aus dem Angebot genommen werden. Dann behält das Auto doch die höchste Attraktivität. Und die Mobilitätswende macht die Rolle rückwärts.
 
Ein echtes Manko im Nahverkehrsplan ist außerdem, dass weder die schlechte West-Ost-Anbindung im Land behoben wird noch der Blick auch über die dänische Grenze hinausgeht. Wir hätten uns gewünscht, dass eine verlässliche Verbindung zu unserem nördlichen Nachbarn aufgenommen wird. Wackelige Modelle wie die Buslinie 110 Sønderborg-Flensburg brauchen endlich eine handfeste Finanzierung, um die nicht bei jeder Haushaltsverhandlung wieder gerungen werden muss. 
 
Für uns als SSW steht fest: Verkehrspolitik wird für die Menschen im Land gemacht und muss sich an deren Bedarfen orientieren. Niemand darf abgehängt werden!
 
 

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