Speech · 28.01.2026 Schleswig-Holstein erklärt sich solidarisch mit Dänemark und Grönland

„Das ist es, was wir in Europa aktuell verteidigen müssen: die regelbasierte Weltordnung, die in den vergangenen 80 Jahren einen großen Beitrag zum Frieden geleistet hat. Wir dürfen nicht vor Drohungen der Großen und Starken zurückweichen, sondern müssen klar machen: Europa ist ein ernstzunehmender Player in der Welt.“

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 27 - Resolution: Schleswig-Holstein erklärt sich solidarisch mit Dänemark und Grönland (Drs. 20/4006)

Die Charta der Vereinten Nationen verbietet Gewalt gegen andere Staaten und schafft so eine Rechtsgrundlage gegen Angriffskriege. Seit 1945 war das ein Konsens, an den sich die demokratischen Staaten dieser Welt überwiegend gehalten haben. Aktuell nehmen wir wahr, dass die Weltordnung sich verändert. Internationale Regeln werden zunehmend von der Macht der Stärkeren verdrängt. Seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine haben wir in Europa zum ersten Mal seit langer Zeit gespürt, wie fragil die Ordnung ist, in der wir leben. Russland führt uns schon seit vielen Jahren vor Augen, dass das Völkerrecht ein zahnloser Tiger werden kann, wenn ein Staat seine Macht ausspielen will. Gegenwärtig sehen wir, dass auch andere Staaten nicht vor Machtdemonstrationen ihrer Nachbarn sicher sind. Viele Jahre war Grönland für viele kaum mehr als ein unwirtliches Eiland im Nordatlantik, das sich etwa 56.000 Menschen mit ungefähr 5.000 Eisbären teilen. Nun aber ist Grönland in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, weil Amerika damit liebäugelt, das Recht des Stärkeren durchzusetzen und Territorialansprüche auf Grönland geltend zu machen. Territorial gehört Grönland zum Königreich Dänemark. Der grönländische Grund und Boden, und folglich auch die Bodenschätze gehören Grönland, gehören den Grönländern. Seit 2009 ist Grönland in der Selbstverwaltung. Zu verkaufen ist Grönland nicht. Die Kolonialzeit ist vorbei, das Selbstbestimmungsrecht der Völker steht nicht zur Diskussion. Grönlands Regierungschef sagte vor ein paar Tagen: „Grönland wählt das Grönland, das wir heute kennen, als ein Teil des dänischen Königreiches. Wir wählen Dänemark, wir wählen die EU, wir wählen die NATO.“ Und hier müssen wir an der Seite Grönlands stehen. Grönland steuert seine eigenen Angelegenheiten im Bildungsbereich und im Gesundheitsbereich. Außen-, Verteidigungs- und Währungspolitik gestaltet Dänemark für Grönland. Deshalb stehen wir auch an der Seite Dänemarks und wir begrüßen es sehr, wie eng in dieser aktuellen Krise der Dialog zwischen Grönland und Dänemark ist. 
Aber auch Dänemark ist ein kleines Land und ist folglich angewiesen auf starke Partner. In der EU, in der NATO. Das ist es, was wir in Europa aktuell verteidigen müssen: die regelbasierte Weltordnung, die in den vergangenen 80 Jahren einen großen Beitrag zum Frieden geleistet hat.

Wir dürfen nicht vor Drohungen der Großen und Starken zurückweichen, sondern müssen klar machen: Europa ist ein ernstzunehmender Player in der Welt. Viel zu lange haben wir uns hinter dem großen NATO-Partner Amerika versteckt. Wir brauchen die NATO auch künftig, Grönland war viele Jahre ein wichtiger Truppenstandort und möchte das auch künftig wieder sein. 
Aber es ist auch an der Zeit, dass wir uns auf unsere eigene europäische Stärke, auf unsere Traditionen, auf unsere Sicht auf die Weltordnung besinnen. 
Die Grönländer sind bereit zu diskutieren, sagen sie. Aber es gibt rote Linien: die Souveränität und die territorialen Grenzen. Darin unterstützen wir Grönland und Dänemark. Das Völkerrecht und unsere europäischen Partner haben wir dabei auf unserer Seite. 

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