Press release · 25.07.2024 Sprachenpolitik ist mehr als „nice to have“

Zum „Handlungsplan Sprachenpolitik“ der schleswig-holsteinischen Landesregierung für die 20. Legislaturperiode erklärt die stellvertretende Vorsitzende der SSW-Landtagsfraktion, Sybilla Nitsch:

Der neue Handlungsplan Sprachenpolitik zeigt: Es bewegt sich was – und es gibt viele tatkräftige Akteure, die anpacken. Schleswig-Holstein kann sich mit seiner Sprachenvielfalt wahrlich sehen lassen. Dänisch, Friesisch, Niederdeutsch und Romanes bereichern die hochdeutsche Standardsprache in vielen Regionen. Das Land zeigt immer wieder, dass es diesen immateriellen Schatz auch wirklich schätzt und ein Interesse daran hat, die Sprachenvielfalt zu bewahren und zu stärken. Vor allem für das Friesische wurden in den letzten Jahren mit der Gründung der Friesenstiftung und dem Aufbau des „Nordfriisk liirskap“, dem Zentrum für friesische Lehrerbildung, Erarbeitung von Lehrmaterial und Ausbau des Friesischunterrichts tolle Meilensteine erreicht.

Doch wir müssen auch Wasser in den Wein gießen. Als Aushängeschild sind die Minderheiten- und Regionalsprachen immer gern genommen, aber wenn es um die konkrete Förderung vor Ort geht, läuft es auch in Schleswig-Holstein nicht immer wie geschmiert.

Beispiel Dänisch: Der Großteil der Bildungsmaßnahmen für das Dänische basiert auf Interreg-Projekten. Für eine dauerhafte Bearbeitung hat die federführende Region Sønderjylland-Schleswig gar keine Ressourcen. Solche Pflichtaufgaben gehören nicht in Projekte, sondern brauchen eine dauerhaft gesicherte Struktur.

Beispiel berufliche Bildung: Was Unterrichtsangebote in Regional- und Minderheitensprachen angeht, schauen Schülerinnen und Schüler hier in die Röhre.

Beispiel Medien: Hier liegt ein großes Gewicht auf Plattdeutsch. Für die Förderung der Medienpräsenz des Dänischen gibt es kaum Initiativen. Und im öffentlich-rechtlichen Angebot des NDR vermissen wir weiterhin eine viel bessere Präsenz von Dänisch, Friesisch – und warum nicht sogar mal Romanes?

Als Partei der dänischen und friesischen Minderheit gehört es zu unserer DNA, sich für die Minderheitensprachen einzusetzen. Regelmäßig sorgen wir im parlamentarischen Betrieb mit unseren SSW-Initiativen dafür, dass die kleinen Sprachen mitgedacht und gestärkt werden. Denn man muss sich immer wieder bewusst machen: Sprachenpolitik ist kein „nice to have“, sondern kann im Zweifel über Leben oder Tod einer Sprache entscheiden.

Und übrigens: „Identität und Mehrwert" heißt das Leitmotiv des neuen Handlungsplans Sprachenpolitik. Damit nehme man die „Wünsche der Sprechergruppen nach mehr Sichtbarmachung und Wissensvermittlung“ auf. Zweisprachige Ortsschilder sind das simpelste Mittel für mehr Präsenz und Bewusstmachung der sprachlichen Vielfalt. Auch hier ist noch deutlich Luft nach oben!

Zum Handlungsplan Sprachenpolitik: https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/ministerien-behoerden/I/Service/GesetzeLandtag/Landtagsberichte/BerichtePDF/2024_handlungsplan_sprachenpolitik.pdf?__blob=publicationFile&v=2

 

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