Rääde · 21.06.2002 Gütesiegel in der Holzwirtschaft

Wie in jeder anderen Wirtschaftsbranche, besteht auch in der Forst- und Holzwirtschaft ein Kampf um die Märkte. Und wer heute noch glaubt Holz ist Holz, der irrt gewaltig, denn hier gibt es mittlerweile unterschiede, die dem Laien auf dem ersten Blick noch verborgen sind.
Wer heute Holz kauft, sollte genau darauf achten, was für ein Siegel, Prädikat oder Logo dieses Holz hat. Denn nicht überall wo Naturprodukt draufsteht ist auch Öko drin und letztendlich stellt sich immer wieder die Frage nach der Bedeutung dieser unterschiedlichen Auszeichnungen.

Wenn es nach der FDP geht, sollten wir in Schleswig-Holstein keinem Siegel den Vorzug geben, da "die Nachhaltigkeit der Nutzung unserer Wälder zur Holzproduktion bei konsequenter Umsetzung der Waldgesetze gewährleistet" wird. Hier gebe ich der Kollegin Happach-Kasan recht, natürlich werden unsere Wälder durch unsere Waldgesetze nachhaltig genutzt.
Aber, ich frage mich ernsthaft, was will diese sonst so am Markt orientierte Partei damit bezwecken? Denn wer heute noch nicht erkannt hat, dass auf dem Holzmarkt ein gewaltiger Konkurrenzkampf um Umweltsiegel und Ökologos entbrannt ist, der ist auf dem Holzweg.
Mittlerweile gibt es in Deutschland, Europa und auch weltweit mehrere Kriterien und Umweltauszeichnungen, wie eine nachhaltige Forst- und Holzwirtschaft aussehen sollte. Schleswig-Holstein ist Anfang 1998 als erstes deutsches Flächenland der nationalen Arbeitsgruppe des FSC Deutschland beigetreten, um für die Landesforsten eine Zertifizierung nach FSC-Standards zu erreichen. Diesen Schritt hat der SSW seinerzeit begrüßt. Da die Kriterien einer umweltgerechten, sozialverträglichen und wirtschaftlich tragfähigen Waldbehandlung für uns maßgeblich waren.
Schleswig-Holstein hat somit eine Richtung eingeschlagen, um nicht nur auf dem nationalen sondern auch auf dem internationalen Holzmarkt konkurrenzfähig zu sein. Darüber hinaus fördert das Gütesiegel das Ansehen unserer Holzprodukte sowie unserer Forstwirtschaft und ist obendrein für den Verbraucher attraktiv.

Aber nun gibt es ja nicht nur die FSC-Standads, die strengere Richtlinien - als das Gesetz es vorschreibt - für eine nachhaltige Forstwirtschaft herausgebracht haben. Sondern es gibt z.B. auch noch das PEFC-Zertifikat. Und es sind diese beiden international anerkannten Richtlinien, die sich nun um die Anteile der deutschen Wälder streiten.
Beide Richtlinien mögen ihre fachlichen Vorzüge haben - dies ist unbestritten - da jede für sich auf der Grundlage fundierter Fachkenntnis erstellt wurde.

Jedoch gibt es Unterschiede, die aus Sicht des SSW für das FSC-Siegel sprechen.
So ist eine Waldbewirtschaftung im Sinne der Agenda 21 umweltgerecht, sozial verträglich und wirtschaftlich. Das heißt, es muss von vornherein eine gleichberechtigte Vertretung wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Interessen stattfinden. Und genau nach diesem Dreikammersystem arbeitet die FSC-Arbeitsgruppe Deutschland. So hat sie diesen breiten gesellschaftlichen Konsens unter anderem mit den Gewerkschaften und - im Gegensatz zu PEFC - gemeinsam mit den Umweltverbänden erreicht. Dies geht auch deutlich aus der Beantwortung der Fragen der Kollegin Happach-Kasan zum Fünften Forstbericht hervor.

Was nun die fachliche Gleichwertigkeit der beiden Zertifikate angeht, so mag es sein, dass sie aus fachlicher Sicht durchaus vergleichbar sind. Jedoch entsprechen die schärfer gefassten Umweltkriterien des FSC eher einem ökologischen Gütesiegel als das PEFC. Daher sollte hier eine Augenwischerei unbedingt vermieden werden. Schließlich hat der Verbraucher ein Recht auf klare Aussagen und zweifellos werden die Absatzchancen für nachhaltig erzeugtes Holz und Holzprodukte durch die Existenz mehrerer Zertifikate nicht verbessert.
Abschließend würde ich mir wünschen, wenn diese beiden in Deutschland und Europa konkurrierenden Zertifikate letztendlich - auch wenn es ein schwieriger Weg wird - zusammengefasst werden könnten. Nicht nur im Interesse unserer Forst- und Holzwirtschaft, sondern ganz besonders im Interesse der Verbraucher.
Insofern können wir dem Antrag von SPD und Grüne zustimmen.

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