Rääde · 23.02.2022 Hohe Hoffnungen und Erwartungen müssen umgesetzt werden

„KI ist eine Schlüsseltechnologie, wenn wir es richtig angehen und wenn wir die richtigen Voraussetzungen schaffen. Dazu gehören neben Fördergeldern auch eine hervorragende digitale Infrastruktur sowie regelmäßige Evaluationen. Der KI-Handlungsrahmen enthält inzwischen einige konkretere Projekte, die wir begrüßen und unterstützen.“

Lars Harms zu TOP 29 - Landesstrategie Künstliche Intelligenz (Drs. 19/3645)

Unsere letzte Debatte zum KI-Handlungsrahmen haben wir ja vor fast genau einem Jahr geführt – und damals war die Präsentation der Landesstrategie insgesamt doch noch ziemlich vage geblieben.

Seitdem hat sich immerhin einiges in diesem Bereich getan. Neben dem heutigen mündlichen Bericht gibt es inzwischen ja auch eine 40 Seiten umfassende Fortschreibung des KI-Handlungsrahmens. Darin werden einige wirklich beeindruckende Projekte vorgestellt, die unterstreichen, weshalb Künstliche Intelligenz eine der bedeutendsten Technologien dieses Jahrhunderts ist. KI ist längst keine Science-Fiction mehr, KI kann uns ganz konkret in unserem Alltag unterstützen.  Diese Entwicklung gilt es weiterhin in den richtigen Bahnen zu fördern und transparent zu kommunizieren. Nur über einen intensiven gesellschaftlichen Dialog kann es breite Akzeptanz für und Neugierde auf KI geben.

Wenn wir uns die von der Landesregierung definierten acht Handlungsfelder nun also einmal genauer anschauen, dann finden sich dort inzwischen einige konkretere Projekte und Zielsetzungen, die wir als SSW begrüßen und unterstützen.

So hat sich der KI-Transfer-Hub bewährt. Wir lernen von- und miteinander und in einem großen Netzwerk lassen sich gemeinsam die besten Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft erarbeiten und Wissenstransfers umsetzen.
Dazu gehört auch, dass unsere KMU weiterhin gefördert werden und ihre KI-Anwendungen noch weiter optimieren können müssen. Hier kann sicherlich auch das Regionale Zukunftszentrum Nord (RZZ Nord) passgenaue Unterstützung leisten.

Der Hauptteil der Fördergelder wird ja weiterhin in den Bildungs-, Lehr- und Forschungsbereich investiert. Dabei einen besonderen Fokus auf den Gesundheitsbereich zu legen, ist sicherlich nicht nur angesichts der aktuellen Pandemielage absolut sinnvoll. Gerade hier müssen tagtäglich riesige Datenmengen analysiert werden – von der Forschung und Prävention über die Diagnostik und Therapie bis hin zur Versorgungslogistik. Und da gerade der SSW ja auch das Thema Demenz und den Demenzplan regelmäßig auf die Agenda bringt, finde ich persönlich natürlich auch den „Demenzwegweiser SH“ sehr spannend und hoffe, dass diese KI-basierte Datenbank in der Praxis einen echten Mehrwert bietet. 

Darüber hinaus hat Schleswig-Holstein ja gerade auch in der universitären Forschung und Lehre von KI richtige Leuchttürme zu bieten, wenn wir uns beispielsweise die Universität Lübeck mit ihren Schwerpunkten Robotik und e-Health anschauen. Auch die angekündigten weiteren zwölf KI-Professuren an den Hochschulen in Flensburg, Kiel, Heide und Lübeck begrüßen wir sehr. Diese werden zum weiteren Ausbau eines starken KI-Kompetenz-Netzwerkes beitragen, das Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft zusammenbringt.

Verwaltung ist ein weiteres gutes Stichwort: Der SSW verweist ja seit Jahren immer wieder auf den umfangreichen digitalen Verwaltungsservice, den Dänemark seinen Bürgerinnen und Bürgern bietet und der uns als Vorbild dienen sollte. Dazu bedarf es weiterer Digitalisierungsmaßnahmen im gesamten Bürokratie-Apparat. Und KI-basierte Bots können das menschliche Fachpersonal vor Ort entlasten, indem sie selbständig allgemeine Routineaufgaben übernehmen.

Und auch in den eng miteinander verknüpften Bereichen Energie, Umwelt- und Klimaschutz und Mobilität können KI-Lösungen einen großen Beitrag leisten, was ja gerade hier für uns in Schleswig-Holstein wahrlich wertvoll ist. Ganz besonders spannend finde ich hier das Waldmonitoring sowie das Forschungsvorhaben RASMUS zur smarten Optimierung von Schifffahrtsrouten. Auch im Bereich der biologischen Landwirtschaft werden ein paar spannende Projekte genannt, die hoffentlich zur nachhaltigen Entwicklung Schleswig-Holsteins beitragen können.

Insgesamt ist es richtig, dass wir uns in Hinblick auf KI ambitionierte Ziele setzen. Ob Schleswig-Holstein hier eine bundesweit, gar weltweit, führende Rolle übernehmen können wird, bleibt angesichts der insgesamt eingeplanten Fördergelder ein doch sehr ambitionierter Anspruch, wenn man sich die Konkurrenz anschaut. Dennoch lohnt es sich natürlich, hier dranzubleiben. 
Allerdings: Ich habe insgesamt ja auch einigermaßen häufig die Begriffe „hoffentlich“ und „sicherlich“ verwendet. Wir müssen eben schauen, ob und dass sich die hohen Hoffnungen und Erwartungen auch erfüllen mögen. KI ist eine Schlüsseltechnologie, wenn wir es richtig angehen und wenn wir die richtigen Voraussetzungen schaffen. 

Abschließend sei angemerkt, dass die Landesregierung ja schon nächste Woche, am 3. März, zur nächsten großen KI-Konferenz nach Lübeck einlädt. Darauf sind wir sehr gespannt, wünschen allen Beteiligten eine erfolgreiche Veranstaltung und hoffentlich viele weitere wegweisende Ideen und Impulse, die auch unser Land zwischen den Meeren weiter voranbringen mögen.

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