Rääde · 13.07.2001 Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen mit Behinderungen

Am Anfang meiner Rede steht der Schluss des Berichts: Die Ausführungen belegen ..., dass die Aktivitäten insbesondere von Mixed Pickles, im Bereich der Frauenarbeit, des Kinderschutzzentrums Kiel und der Träger der Behindertenhilfe erste Schritte in die richtige Richtung sind.

Der Bericht zeigt auf, was in den letzten Jahren im Bereich der sexueller Gewalt gegen Mädchen und Frauen geschehen ist. Es wurde das Problembewusstsein geschärft, denn bei Frauen mit Behinderung sind durch ihre spezifischen Lebensumstände, wie das Angewiesensein auf Betreuungspersonen, das Risiko sexueller Gewalt erhöht. Bereits bei der Missbrauchsdefinition zeigt sich diese besonders schwierige Lage: Missbrauch liegt bereits dann vor, wenn der Täter eine Lage oder seine Stellung bzw. das Verhältnis zum Opfer ausnutzt; beim Missbrauch geht es um ein Benutzen des Opfers, dass durch eine Herabwürdigung zum Objekt fremd definierter sexueller Motive wird. Für einen Menschen, der häufig oder ständig fremdbestimmt wird, ist es deshalb besonders schwierig so etwas zu erkennen und sich zu wehren. Die erlebte Körpererfahrung, die häufig auch Grund ist für die Ausgrenzung in der Gesellschaft und die ständigen Untersuchungen von klein auf führen häufig dazu, dass ihre Kompetenzen im Umgang mit der Behinderung und ihrem Körper nicht anerkannt werden. Erschreckend ist, dass Untersuchungen zur Folge Mädchen und Frauen mit geistiger Behinderung genau so besonders gefährdete Opfer sind wie Frauen, die in Einrichtungen aufwachsen. Wie immer stammen die Täter in der Mehrzahl aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen.

Das Körperbewusstsein ist dadurch eingeschränkt, dass ständig eine Fremdbestimmung über den Körper stattfindet: “An mir darf jede und jeder herumfummeln: der Arzt, der Pfleger, die Krankenschwester, der Therapeut.“ Wichtig ist deshalb, wie ja auch der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung unterstreicht, eine Richtungsänderung in der Behindertenhilfe: Das Empowerment muss gefördert werden, und die Nutzerinnen müssen zu selbstbewusst handelnden Subjekten ihrer eigenen Bedürfnisse qualifiziert werden, statt die Tradition der umhegten Betreuungsobjekte fortzusetzen.

In Schleswig-Holstein hat besonders eine Institution, Mixed Pickles aus Lübeck, eine ganz hervorragende Arbeit zur Fortbildung von Multiplikatoren und Multiplikatorinnen geleistet. Dafür möchte ich den Mitarbeiterinnen ausdrücklich danken. Mixed Pickles ist aber leider als Modellversuch konzipiert worden, und wie bei jedem Modellversuch stellt sich bei Auslaufen der Modellphase die Frage, wie es weitergeht. Denn das es weitergehen muss, daran gibt eine keinen Zweifel. Eine Ansiedelung der Koordination und Vernetzung beim Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung halten wir nicht für möglich. Anderenfalls wäre der Weg geöffnet, dem Beauftragten bestimmte Teilaufgaben aus dem Bereich der Behindertenarbeit zu übertragen, obwohl dies gerade nicht seine Aufgabe sein kann. Diese Lösung lehnen wir deshalb ab.

Die Koordinationsfunktionen bei Mixed Pickles ist zwar noch in den Anfängen, aber es wäre sicherlich sinnvoller die bereits bewährte Arbeit dieser Gruppe zu nutzen. Wir müssen versuchen, diese Arbeit aufrechtzuerhalten. Sollte es nicht möglich sein, muss an eine Übernahme durch einen bereits vorhandenen Träger der Behindertenhilfe gedacht werden. Das beste wäre aber, Mixed Pickles bleibt bestehen und die Behindertenverbände unterstützten diese Arbeit mehr als bisher. Ich gehe davon aus, dass alle Parteien Mixed Pickles bei den kommenden Haushaltsberatungen unterstützen werden.

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