Rääde · 17.06.2004 Unterrichtsqualität im Rahmen der Verlässlichen Grundschule

Schon als es vor gut eineinhalb Jahren um die Einführung der Verlässlichen Grundschule ging, befürchteten Fachleute, dass die Verlässlichkeit zu Lasten der pädagogischen Arbeit – das heißt der Förderunterricht und die Differenzierungs­stunden – gehen würde. Dieser Vorwurf steht weiterhin im Raum, wie eine in der Mitgliederzeitschrift der GEW veröffentlichen Umfrage des GEW-Kreisverbandes Stormarn aus diesem Frühjahr belegt. Als Fazit lässt sich aber auch feststellen, dass sich an manchen Schulen das soziale Miteinander positiv entwickelt hat und dass mehr Unterrichtszeit zur Verfügung steht. Der Unterrichtsausfall tendiert gegen Null und das ist eine beachtliche Leistung.

Für den SSW steht fest: die Verlässliche Grundschule ist ein Schritt in die richtige Richtung. In der Umsetzung muss den Schulen aber so viel Luft zum Atmen gelassen werden, dass sie Lösungen entwickeln können, die ihren Belangen vor Ort gerecht werden. Dazu gehört nicht nur die zentrale Frage nach der Qualität des Unterrichts, sondern auch der Wunsch vieler Eltern nach einer besseren – oder noch besseren Verzahnung von Unterrichtszeiten und Betreuungszeiten. Viele von uns können sich noch gut daran erinnern, dass genau dieser Punkt in allen Briefen an uns damals eine große Rolle spielte. Der SSW begrüßt daher, dass an den 106 Schulen, die seit letztem Jahr an der Verlässlichen Grundschule teilnehmen, die bereits vorhandenen Betreuungsprogramme – dies trifft für immerhin 104 diese Schulen zu – nicht gelitten haben. Seitdem hat das Ministerium mit den kreisfreien Städten eine Vereinbarung zur Schulkindbetreuung an Verlässlichen Grundschulen geschlossen. Wir begrüßen dies ausdrücklich, denn Betreuung ist die andere Seite der Medaille. Um Familie und Beruf unter einen Hut bringen zu können, müssen Eltern sich auch hier auf die Unterstützung von uns verlassen können.

Und nun noch ein paar Bemerkungen zu den vorliegenden Anträgen: Der Kollege Klug will einerseits die Unterrichtsqualität in der Verlässlichen Grundschule stärken – und da weiß er uns auf seiner Seite. Andererseits scheint es ihm aber doch eher um den Erhalt des gegliederten Schulsystems zu gehen. Aus Sicht des SSW bringt uns diese Art von Argumentation mit der Schrotflinte nicht weiter. Vor dem Hintergrund kleiner Schulen mit weniger als 60 Schülerinnen und Schülern kann es nach unseren Informationen in Einzelfällen zur Zusammenlegung von Fördergruppen kommen. Dies sind jedoch Einzelfälle, die in den Ermessensbereich der einzelnen Schulen fallen. Für uns ist dies aber eine weitere Bestätigung dafür, dass gerade für kleine Grund- und Hauptschulen die Einführung der 6-jährigen Grundschule die bessere Lösung ist als das verzweifelte Festhalten an Altbekanntem.

Der SSW unterstütz den Antrag der Regierungskoalition, weil er noch mal den Prozess verdeutlicht, der mit dem Ziel der Verlässlichen Grundschule erreicht werden soll. Insgesamt stelle ich für den SSW fest: wir wollen die Unterrichtsqualität an den Grundschulen stärken, jedoch ist zweitrangig, ob dies nach einem bestimmten Modell stattfindet, oder nicht. Die Schulen dürfen durch all zu eng gestrickte Modelle nicht in ein Korsett gezwängt werden. Darüber hinaus wollen wir eine noch bessere Verzahnung von Bildung und Jugendhilfe, damit sind Lehrer, Erzieher und Sozialpädagogen gemeint. Unterrichtsqualität und Betreuung dürfen in keinem Widerspruch zu einander stehen. Denn wir wollen neben der zukunftsfähigen Bildung unserer Kinder, durch gute Betreuungsangebote, Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen.

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