Press release · 02.11.2026 Gesunde Ernährung darf keine Frage des Geldbeutels sein

Vor den Tafeln stehen die Menschen Schlange. Doch wie viele Menschen in Schleswig-Holstein tatsächlich von Ernährungsarmut betroffen sind, weiß niemand genau. Dabei reicht das Problem weit über diejenigen hinaus, die auf Lebensmittelspenden angewiesen sind. Der SSW fordert deshalb mit einem Landtagsantrag ein landesweites Handlungskonzept gegen Ernährungsarmut. Dazu erklärt der Vorsitzende der SSW-Landtagsfraktion, Christian Dirschauer:

„Ernährungsarmut findet oft im Verborgenen statt. Sie bedeutet nicht zwingend einen leeren Kühlschrank. Sie bedeutet auch, beim Einkauf ständig das billigste statt des gesünderen Lebensmittels nehmen zu müssen, auf frisches Obst und Gemüse zu verzichten oder eine Einladung auszuschlagen, weil das Geld für einen gemeinsamen Restaurantbesuch fehlt.

Wie groß dieses Problem tatsächlich ist, wissen wir nicht einmal genau. Selbst auf Bundesebene fehlen belastbare aktuelle Zahlen. Schleswig-Holstein braucht deshalb eine vernünftige Datengrundlage und darauf aufbauend eine Strategie, die Sozial-, Gesundheits- und Bildungspolitik zusammenführt.

Mit Ernährungskursen allein werden wir Armut jedenfalls nicht beseitigen. Und so wichtig die Arbeit der Tafeln und vieler Ehrenamtlicher ist: Der Staat darf die Versorgung von Menschen mit geringem Einkommen nicht dauerhaft an Lebensmittelspenden delegieren.

Ein wichtiger Baustein ist eine gute Verpflegung in Kitas und Schulen. Auch bei der Bekämpfung von Ernährungsarmut können wir von unseren skandinavischen Nachbarn lernen. In Finnland und Schweden gehört das kostenlose Schulmittagessen seit Jahrzehnten selbstverständlich zum Bildungsangebot. Alle Kinder erhalten eine gesunde Mahlzeit, unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern. Was dort längst funktioniert, sollte auch bei uns möglich sein. Deshalb fordern wir einen Stufenplan für eine beitragsfreie und qualitativ hochwertige Kita- und Schulverpflegung.

Der große Vorteil eines solchen Angebots liegt auf der Hand: Alle Kinder essen gemeinsam, unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern. Niemand muss einen Antrag stellen, seine Bedürftigkeit nachweisen oder sich vor seinen Mitschülern erklären.

Ernährungsarmut lässt sich aber nicht auf das Schulmittagessen reduzieren. Deshalb wollen wir Versorgungslücken untersuchen, wohnortnahe Gemeinschaftsangebote stärken und die Betroffenen selbst in die Entwicklung des Handlungskonzepts einbeziehen. Gleichzeitig müssen Sozialleistungen so bemessen sein, dass Menschen ihren Lebensunterhalt tatsächlich bestreiten können.

Gesunde Ernährung darf am Ende keine Frage des Kontostands sein. Schleswig-Holstein sollte sich nicht damit abfinden, dass wir über Ernährungsarmut zu wenig wissen und die Folgen anschließend bei Tafeln, Schulen, Ärzten und Sozialverbänden landen.“

Der SSW-Antrag steht hier zum Download zur Verfügung.

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