Speech · 07.05.2026 Beruflichen Aufstieg durch Fortbildung fördern!
„Der Aufstiegsbonus ist ein konkreter Beitrag zur Stärkung des Mittelstands“
Jette Waldinger-Thiering zu TOP 17 - Einführung eines Aufstiegsbonus zur Stärkung der beruflichen Bildung und Fachkräftesicherung (Drs. 20/4190, 20/4252 und 20/4254)
Sinn und Zweck eines Aufstiegs- oder Meisterbonus ist aus meiner Sicht selbsterklärend: Weiterbildungen sollen attraktiver, der Fachkräftemangel verringert und die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung unterstrichen werden. Für den SSW kann ich klar sagen, dass wir diese Ziele - und damit auch die vorliegenden Anträge - unterstützen. Vom Grundsatz her sollten wir alle ein Interesse daran haben, beruflichen Aufstieg durch Fortbildung zu fördern und die berufliche Bildung im Verhältnis zu akademischen Abschlüssen aufzuwerten. Denn das ist entscheidend, um den Fachkräftemangel zu beheben, die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die Karrierechancen der hier Beschäftigten zu steigern.
Ich gehe davon aus, dass alle Fraktionen im regelmäßigen Austausch mit dem Handwerk und entsprechenden Verbänden sind. Allen wird klar sein, dass viele Betriebe vor gravierenden Veränderungen und Herausforderungen stehen. Auch unsere durch kleine und mittlere Unternehmen geprägte Wirtschaft ist vom digitalen Wandel betroffen. Der Einsatz von KI, die Zunahme datenbasierter Geschäftsmodelle oder Entwicklungen im Bereich der Erneuerbaren bieten große Chancen. Aber dieser Wandel und die Nutzung dieser Chancen setzt eben auch voraus, dass sich unsere Handwerkenden und Technikerinnen und Techniker gezielt weiterbilden. Deshalb wird wohl niemand ernsthaft bezweifeln, dass wir zusätzliche Anreize für Weiterbildungen schaffen müssen. Und die Einführung eines Aufstiegsbonus ist aus unserer Sicht ein geeignetes Instrument.
Fast alle anderen Bundesländer machen es vor: Durch die finanzielle Anerkennung von Weiterbildungsprüfungen werden Meister und Fortbildungsabschlüsse attraktiver. Und von einer Zunahme dieser Abschlüsse profitieren nachweislich vor allem kleine und mittlere Unternehmen. Außerdem halte ich es für logisch, dass ein solcher Bonus ganz grundsätzlich dazu motiviert, sich weiterzuentwickeln. Die Erfahrung zeigt, dass er für viele Menschen ein konkreter Anreiz ist, den nächsten Schritt zu gehen und ihren Meister zu machen. Und genau diese qualifizierten Arbeitskräfte wie Fachwirte oder Meisterinnen und Meister brauchen wir, um Qualität und Innovationsfähigkeit zu erhalten. Aber auch um die Zukunft der Unternehmen durch geeignete Nachfolgerinnen und Nachfolger zu sichern.
Es war schon im Vorfeld zu erwarten: Die Koalition hält den Aufstiegsbonus für entbehrlich und verweist stattdessen auf die Meistergründungsprämie. Aber der Verweis auf Bestehendes und der Status-Quo-Erhalt allein reichen vermutlich nicht aus. Ich will aber gar nicht in Abrede stellen, dass diese Gründungsprämie sinnvoll und wirkungsvoll ist. Laut Handwerkskammer wurden seit 2019 über 1300 Handwerksmeisterinnen und -meister auf dieser Basis gefördert. Voraussetzung ist die Gründung, Übernahme oder Betriebsbeteiligung. Dies und die Tatsache, dass rund 90 Prozent der entsprechenden Unternehmen bis heute erfolgreich sind, ist durchaus positiv zu bewerten.
Aber von dieser Förderung profitiert doch nur, wer schon einen Meister in der Tasche hat. Und Anreize hierfür und für vergleichbare Fortbildungsabschlüsse bietet nun mal der von der SPD vorgeschlagene Aufstiegsbonus. Aus Sicht des SSW ergänzen sich diese beiden Ansätze gegenseitig und stehen eben gerade nicht in Konkurrenz zueinander. Deshalb sollte das Land auch diese beiden Fördermöglichkeiten parallel anbieten. Und wenn es dann noch gelingt, sich auf die von der FDP angeregte Bundesratsinitiative zu einigen, wären wir ein ganzes Stück weiter. Denn durch die Ergänzung um eine kostenfreie Meisterausbildung hätten wir hier ein wirklich umfassendes und wirkungsvolles Maßnahmenpaket.