Tale · 27.01.2022 Jahr der Bildung für Nachhaltige Entwicklung: Kein 1-jähriges Motto, sondern eine Daueraufgabe

Deutschland verursacht etwa 2 Prozent aller Klimagase weltweit, allerdings stellen wir auch nur etwa 1 Prozent der Weltbevölkerung. Im Sinne eines weltweit „gerechten“ Durchschnitts von CO2-Ausstoss pro Kopf müssten die Emissionen also halbiert werden.

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 31 - Jahr der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Drs. 19/3437)
    
Kaufverhalten, Reisen, Medienkonsum, Serverkapazitäten, Ernährung. Der eigene Co2-Fußabdruck ist oft deutlich größer, als wir ihn gerne hätten. Sie kennen das bestimmt, wenn Sie einen CO2-Fußabdruckstest beispielsweise auf der WWF-Seite machen. Wir sind uns oft so sicher über das eigene umweltverträgliche Verhalten, dass die Zahl, wie viele Planeten wir bräuchten, würden alle so leben wie wir selbst, uns regelmäßig schockiert. 

Deutschland verursacht etwa 2 Prozent aller Klimagase weltweit, allerdings stellen wir auch nur etwa 1 Prozent der Weltbevölkerung. Im Sinne eines weltweit „gerechten“ Durchschnitts von CO2-Ausstoss pro Kopf müssten die Emissionen also halbiert werden.
Nun haben wir zwei Probleme. 
Erstens, in der Umweltforschung ist schon lange bekannt, dass das Wissen um Klimakrise und Umweltgefahren trotz aller Appelle an Moral und Vernunft nicht dazu führen, dass Menschen ihr Umweltverhalten nachhaltig verändern. Ein wenig Doppelmoral und Bequemlichkeit stehen da den meisten von uns im Weg. Und der Blick zurück zeigt auch, dass die Erkenntnisse über die Gefahren, die Klimawandel und Umweltbedrohungen mit sich bringen weder den Klimawandel noch das Artensterben aufgehalten haben. 
Zweitens, die Auswirkungen des privaten CO2-Ausstoßes hat eben auch ihre Grenzen. 
Gegen Braunkohlekraftwerke gewinnt man nicht mit Baumwollbeuteln. 
Mehr als die Hälfte der industriellen Treibhausgasemissionen gehen auf gerade einmal 25 weltweit agierende Unternehmen zurück. 
Dem kann also nur mit Strukturveränderungen und grundlegendem Umbau gesellschaftlicher Grundversorgung begegnet werden. Und diese Aufgabe liegt in staatlicher Hand. 
Dabei geht es konkret um das Einhalten der Pariser Klimaziele, aber auf landespolitischer Ebene ist es eben auch unumgänglich, sich diesem Komplex in den Bildungseinrichtungen zu widmen. 
Im Sinne der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen zur Förderung nachhaltigen Friedens und Wohlstands und zum Schutz unseres Planeten, einige von den Anwesenden tragen sie auch heute symbolisch am Revers, lässt sich auch hier eine Verbindung zum vierten Ziel ziehen: Hochwertige Bildung. Im Sinne der Nachhaltigkeitsziele bedeutet das die Gewährleistung inklusiver, gleichberechtigter und hochwertiger Bildung und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle zu fördern. 

Ich möchte mich daher zuerst einmal für den Bericht zum Jahr der Bildung für nachhaltige Entwicklung bedanken. 
Wie wir dem Bericht entnehmen können, haben sich die schleswig-holsteinischen Schulen als UNESCO-Projektschulen, als UNESCO-Baltic-Sea-Project-Schulen, als Zukunftsschulen, als Europaschulen oder als Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage auf vielfältige Art mit dem Thema beschäftigt. Digitale oder hybride Konferenzen, Workshops oder Projekte. All dies natürlich aber auch nicht frei von Einfluss durch die Pandemie. 

Bildung für Nachhaltige Entwicklung geht über reine Umweltbildung weit hinaus. Sie steht für eine Bildung, die Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigt. Und sie soll Menschen auch verständlich machen, welche globalen Folgen unser Handeln hier vor Ort har. 
Der Mensch wird dabei als gestaltender Faktor in der Welt untersucht. 

Ich habe oft schon meine Schwierigkeiten gehabt mit dem Anspruch, ein Thema, als jahresprägende Aufgaben für die Schulen ausrufen zu lassen. 
Deswegen möchte ich abschließend noch einmal auf die Hinweise im Bericht zu sprechen kommen, die nahe legen, dass das Dach der Bildung für nachhaltige Entwicklung auch in Zukunft nicht abgebaut werden soll. Und nur so kann dieses Jahr auch wirklich nachhaltig wirken. 
Denn das, was das Motto des zurückliegenden Schuljahres ausmacht ist eben, dass es kein 1-jähriges Motto ist, sondern eine Daueraufgabe. 

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