Speech · 27.08.2026 Rahmenbedingungen für das Ehrenamt weiter verbessern!
„Die Anhebung der Ehrenamtspauschale ist richtig. Und auch eine Dynamisierung der Freibeträge ist ein sinnvoller Gedanke. Entscheidend ist für uns aber, gleichzeitig die Rahmenbedingungen vor Ort zu verbessern.“
Christian Dirschauer zu TOP 24 - Entlastung des Ehrenamtes – Ehrenamtspauschale anheben (Drs. 20/4481, 20/4556, 20/4560)
40% der Menschen in Deutschland leisten eine Form des freiwilligen oder ehrenamtlichen Engagements. Das geht, weitgefasst, über die Pflege in Familien, Hilfe in der Nachbarschaft, oder das Organisieren von Demonstrationen über Arbeit in gesellschaftlichen Initiativen, bei der Tafel, bis hin zu Ehrenämtern mit Aufwandsentschädigungen in Vereinen oder Vorständen. Man muss es klar sagen: Dieser Einsatz ist ein wichtiger Mehrwert für die Gesellschaft: Ohne diesen, bricht etwas Essentielles weg.
Laut der Deutschen Stiftung für Ehrenamt engagieren sich rund 27 Millionen Menschen deutschlandweit im klassischen Ehrenamt. Also angegliedert an eingetragene Vereine und feste Strukturen.
Das, meine Damen und Herren, ist beeindruckend und wirklich einen Applaus wert.
Wir als Politik bauen auf das Ehrenamt. An politischer Wertschätzung mangelt es daher nicht. Mit der Ehrenamtskarte und dem Ehrenamtstag hat es zuletzt gute, wertschätzende Maßnahmen für Menschen gegeben, die sich ehrenamtlich engagieren.
Daher finden wir als SSW, dass wir uns immer wieder anschauen sollten, ob es Verbesserungsmöglichkeiten an verschiedenen Stellen für das Ehrenamt gibt. Ich danke daher der FDP für ihren Antrag, den wir als SSW gut unterstützen können.
Auch der Antrag der SPD enthält mit der Dynamisierung der Freibeträge einen richtigen Gedanken. Eine regelmäßige Anpassung kann verhindern, dass Freibeträge mit der Zeit wieder an Wert verlieren. Aus unserer Sicht sollte dieser Gedanken aber die konkrete Anhebung der Ehrenamtspauschle nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen.
Ich glaube nur, dass es nötig ist, den Punkt finanzielle Aufwandsentschädigungen nicht isoliert zu betrachten.
Die meisten Menschen übernehmen ehrenamtliche Arbeit nicht aus ökonomischen Gründen. Dann würden sie einen Minijob machen.
Die Engagementsstudie des ASB fasst beispielsweise sechs Kernmotivationen zusammen, die für die Wahl eines Ehrenamts zentral scheinen. Das wären etwa Selbstwirksamkeit, soziale Einbindung, das Erfahren von Wertschätzung, eine Passiv-Aktiv-Umkehr, aber auch kompensatorische Funktionen und das Generieren von Lebensidentität.
Für die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt haben sich Forschende noch spezifischer angeguckt und danach gefragt, ob das freiwillige Engagement den Lebenssinn steigert und wenn ja, was zu tun ist, damit Engagierte und Organisationen die Zusammenarbeit als sinnvoll erleben.
Die drei spannendsten Ergebnisse teile ich Ihnen an dieser Stelle gerne mit:
1. Wer ein neues Engagement beginnt, berichtet ein Vierteljahr später über mehr Lebenssinn.
2. Je stärker sich Engagierte mit ihrem Engagement identifizieren und es als bedeutsam sowie passend erleben, desto höher ist ihr berichteter Lebenssinn.
3. Je mehr Engagierte und Organisation hinsichtlich ihrer zentralen Anliegen, z.B. Gemeinschaftssinn, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Interessen, übereinstimmen, desto zufriedener sind beide Seiten.
Wir als SSW haben daher weitere Vorschläge eingereicht, um die man sich landespolitisch aus unserer Sicht vorrangig kümmern sollte. Wir wollen die Ehrenamtlichen und ihren Organisationen darin unterstützen, dass die inhaltliche, die sinnstiftende Seite den mit Abstand größten Raum einnimmt.
Drei Viertel der Vereine arbeiten ohne hauptamtliche Unterstützung. Ein durchschnittlich großer Verein braucht aber laut SoVD rund 42 Tage oder 6,5 Stunden in der Woche für Verwaltungsaufgaben.
Wir fordern die Landesregierung daher auf, die Rahmenbedingungen für das Ehrenamt weiter zu verbessern. Exemplarisch einige Punkte aus unserem Antrag:
1. den Abbau von bürokratischen Hürden und Nachweispflichten
2. Vereinfachte und konsequent digitalisierte Förderverfahren
3. Unterstützung bei Verwaltungsaufgaben insbesondere bei kleineren Vereinen und im ländlichen Raum
4. Weiterentwicklung bestehender Freistellungs- und Unterstützungsregelungen
5. die Stärkung hauptamtlicher Strukturen
6. und nicht zuletzt: die erleichterte Nutzung öffentlicher Räumlichkeiten für Vereine, Verbände und Initiativen.
Es lohnt sich auch aus einem weiteren Grund, diese Punkte anzuschauen. Bisher bringen sich vor allem Menschen mit viel qualifizierter Berufserfahrung und einem soliden finanziellen Hintergrund ehrenamtlich ein. Wir wollen weitere Gruppen für das Ehrenamt begeistern. Und auch die Geschlechterquote, vor allem bei den lebensälteren Engagierten, könnte noch ausgeglichener werden.
Aus unserer Sicht gibt es also über das Finanzielle hinaus, viele Aspekte, die zu verbessern sind. Die Anhebung der Ehrenamtspauschale ist richtig. Und auch eine Dynamisierung der Freibeträge ist ein sinnvoller Gedanke. Entscheidend ist für uns aber, gleichzeitig die Rahmenbedingungen vor Ort zu verbessern.