Pressemeddelelse · Kiel · 06.03.2021 SSW-Ratsfraktion Kiel: Gleichstellung 2021 - Pandemiebedingte Rückschritte nicht einreißen lassen

Zum Internationalen Frauentag am 08. März 2021 erklären Ratsfrau Dr. Susanna Swoboda, stellvertretende Vorsitzende der SSW-Ratsfraktion Kiel, und der Fraktionsvorsitzende, Ratsherr Marcel Schmidt:

„Ein Frauentag ist in Zeiten der Pandemie wichtiger denn je. Die aktuellen Bedingungen werfen uns in Sachen Gleichstellung um Vieles zurück. Allen Bemühungen und allen auch gesellschaftlich längst akzeptierten Vorstellungen zum Trotz sind es in der Vielzahl vor allem Frauen, die neben dem Home-Office nach das Home-Schooling erledigen müssen oder ihre Berufstätigkeit gleich ganz unterbrechen müssen, um sich um ihre Kinder kümmern zu können. Das führt dazu, dass Mütter heute in geringerem Maße erwerbstätig sind als es noch vor der Krise der Fall war.

An dieser Entwicklung erkennt man den Dreh- und Angelpunkt einer guten Gleichstellungspolitik: Es ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Solange der Einsatz für den Nachwuchs für Menschen, insbesondere aber immer noch für Frauen mit einem Verzicht auf Einkommen und Karriere verbunden ist, kann von einer Gleichstellung keine Rede sein.

Vor diesem Hintergrund muss man auch die Frauenquoten sehen. Sie sind ein Erfolg und inzwischen weit akzeptiertes Mittel, um mehr Frauen in verantwortungsvolle Positionen zu bringen. Gleichzeitig sind sie aber Zeichen dafür, dass wir uns immer noch erst am Anfang einer guten Gleichstellungspolitik befinden. Den Frauenquoten gibt es nur, weil es ohne sie nicht geht.

Gewalt bleibt nach wie vor leider ein viel zu großes Problem, dass sich vielerorts durch die Pandemiesituation noch verschärft hat. Häusliche Gewalt hat in den Lockdowns zugenommen. Die soziale Kontrolle durch Schule, Freundeskreis oder Verwandtschaft ist außerdem zurückgegangen, was sich negativ auf das Anzeigeverhalten auswirkt. Die Anzahl der Plätze in Frauenhäusern ist währenddessen immer noch nicht ausreichend und auch hier wird die Betreuungssituation durch die Pandemie empfindlich erschwert.

 

Letzten Endes aber brauchen wir auch einen anderen Begriff, eine neue Definition von Männlichkeit. Wenn "Männlichkeit" nur akzeptiert wird, wenn sie archaisch und explizit nicht-weiblich daherkommt, müssen wir uns nicht wundern, wenn es schwierig bleibt, Aufgaben geschlechterübergreifend gerecht zu verteilen. Hier wünschen wir uns deutlich mehr Fantasie - von Männern wie von Frauen und allen anderen.“

 

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