Speech · 24.04.2008 Versorgung mit Lehrkräften an den Gymnasien


Der Landeselternbeirat der Gymnasien beklagt, dass bei steigenden Schülerzahlen der Gymnasien immer weniger Lehrer an eben diesen Gymnasien unterrichten würden. Hintergrund der Initiative der Eltern scheint eine Unterschriftensammlung in Itzehoe zu sein, wo Eltern die Nicht-Besetzung von Lehrerstellen an den hiesigen Gymnasien kritisieren und sofortige Neueinstellungen fordern, weil es nämlich zu massiven Stundenausfällen gekommen sei.

Ein Blick in den letzten Bericht zur Unterrichtsversorgung zeigt, dass die Zahl ausgefallener Stunden in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist. Der Bericht belegt auch, dass nicht die Gymnasien den höchsten prozentualen Stundenausfall verzeichnen, sondern die Realschulen. Aus Sicht des SSW sind wir bei dem Unterrichtsausfall also auf dem richtigen Weg.

Hinzu kommt, dass für das kommende Schuljahr an den Gymnasien weniger Kinder angemeldet wurden als in den Jahren zuvor. Dafür gibt es viele Gründe. Zum einen war es nach 2005 sicherlich so, dass sich Familien für das Gymnasium entschieden, weil man wusste, was man hatte und nicht wusste, was mit einer künftigen Schulreform auf einem zukam. Zum anderen könnte es auch sein, dass das Auslaufen des „G9-Modells“ – also Abitur nach 9 und nicht wie jetzt nach 8 Jahren – eine weitere Motivation für die Anmeldung an einem Gymnasium war.

Dennoch ist es auch richtig zu sagen, dass diese übergeordneten Betrachtungen den betroffenen Schülerinnen und Schülern nicht helfen. Der SSW versteht also die Sorgen der Eltern. Zumal es im letzten Jahr in den Kreisen Plön und Ostholstein ähnliche Initiativen gegeben hat und die Vertreterin des Bildungsministeriums damals dafür zitiert wurde, gesagt zu haben, dass es – vor dem Hintergrund der allgemeinen Haushaltslage - bei der Lehrerversorgung an den Gymnasien nur zu wenigen Verbesserungen kommen könnte.

Umgekehrt gilt aus Sicht des SSW, dass wir bei der Frage der Lehrerversorgung nur weiter kommen, wenn sowohl in der Lehrerausbildung wie auch bei der Weiterentwicklung des Schulwesens nicht nur an Aufstockung gedacht wird, sondern auch daran, wie Lehrkräfte besser eingesetzt werden können. Ohne weitere Strukturänderungen werden wir das Problem des Stundenausfalls nicht in den Griff bekommen, davon bin ich überzeugt.

Dass man Strukturänderungen nicht als Bedrohung aufzufassen braucht, zeigen im nördlichen Landesteil die Anmeldungen an den Gemeinschaftsschulen. Denn ganz viele Kommunen scheinen begriffen zu haben, dass sie mit der neuen Schulform auch den eigenen Schulstandort stärken – dass damit nicht der Untergang des Abendlandes vorprogrammiert ist. Wenn aber ein Verbandsvertreter wie Walter Tetzloff, Sprecher des Philologenverbandes in Schleswig-Holstein, in der aus seiner Sicht ganz schlechten Lehrerversorgung an den Gymnasien einen landesweiten Trend sieht und sich folgendermaßen in der Presse zitieren lässt: „Der Verdacht besteht, dass man schulpolitisch die Gymnasien ein wenig aushungern will, um die neuen Schulformen attraktiv zu machen“ – dann ist das schon starker Tobak, der in die bildungspolitische Mottenkisten gehört.

Von dieser Warte aus befürwortet der SSW ausdrücklich, dass die Landesregierung Ross und Reiter nennt. Nur so wird es möglich sein, die Gerüchteküche zu beruhigen und die Debatte zu versachlichen. Von daher wäre es vielleicht auch eher der Sache dienlich gewesen, wenn dieser Punkt direkt im Ausschuss geklärt worden wäre.

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