Nyhed · 17.01.2020 Christian Juhl zum SSW Neujahrsempfang: Was für ein Jahr war 2019

Festrede des Vorsitzenden des Südschleswig-Ausschusses des dänischen Folketings, Christian Juhl in „Paulsens Landhotel“, Bohmstedt am Freitag, dem 17.01.2020

Frohes neues Jahr für euch alle. 
Was für ein Jahr war 2019. Ihr hattet Besuch von der dänischen Königin. Kaum eine Organisation der dänischen Minderheit hat die Königin nicht begrüßt. Sie hatte ein imponierendes Programm. 4 Tage nacheinander von Morgens bis Abends. Ein imponierendes Tempo von einer Frau die am 16. April dieses Jahres 80 Jahre alt wird.
Ich muss eingestehen, dass ich nicht so oft die Reden der Königin lese. 
Dieses Mal habe ich sie aber gelesen. Sie ist eine Visionärin. Sie hat die Augen auf für die Zukunft und für die Jugend. Sie hält sich nicht zu viel mit Nostalgie und alten Tage auf, sondern denkt darüber nach, welche Minderheitenverhältnisse die Jungen in Südschleswig sich wohl wünschen.
Fast das ganze Jahr 2019 ging damit das 100-jährigen Jubiläum für die Grenzziehung vorzubereiten. Insbesondere in Sønderjylland und auch an vielen anderen Orten in Dänemark will man die Wiedervereinigung von 1920 feiern. Aber wir vergessen auch nicht, dass die Minderheiten auf beiden Seiten der Grenze zurückblieben mit den jeweiligen Mehrheiten – in Süd- u. Nordschleswig.
Eurer Großeltern hatten harte Jahre mit Schikanen und Hass. Es waren harte Kämpfe die ausgetragen wurden zwischen Deutschen und Dänen. Eurer Eltern hatten schon etwas bessere Verhältnisse. Und ihr habt heute jetzt Platz gefunden mit der dänischen Kultur und Sprache inmitten der Mehrheitsbevölkerung zu leben. Und mit diesen Hintergrund geht ihr jeden Tag stärker raus in die umgebenen Gesellschaft und schafft eurer eigene Zukunft. 
Natürlich helfen wir vom Folketing euch mit ein bischen Zuschüssen jedes Jahr – aber ihr füllt es mit Leben, Kultur, Sprache und Seele. Nur ihr selber könnt euch ein gutes Leben schaffen. 
Die jährlichen Absprachen über die Zuschüsse an die Organisationen der dänischen Minderheit sind gerade vor ein paar Stunden unterschrieben worden. Es war in diesem Jahr ziemlich schwierig diese unter Dach und Fach zu bringen. Die jährlichen Steigerungsraten sind in Dänemark niedriger als die Lohn- u. Preisentwicklung in Schleswig-Holstein. Der Unterschied wird größer und größer. Danke an den SSW, dass ihr den Rahmen nicht voll ausgeschöpft habt, da ihr weniger als die zur Verfügung stehenden 1,2 Prozent beantragt habt. Wir im Südschleswig-Ausschuss geben unser Bestes und hoffen, dass ihr die Zuschüsse so gut wie möglich verwendet.
In Dänemark hatten wir im letzte Jahr Wahlen zum EU-Parlament und zum Folketing. Falls ihr es noch nicht bemerkt habt, so haben wir dabei eine neue sozialdemokratische Minderheitsregierung bekommen. Die ersten Monate wurde die Regierung in Ruhe gelassen. Die größte Oppositionspartei Venstre hatte zwar einen Zuwachs bei den Wahlen bekommen ,aber die Regierungsmacht verloren. Die internen Streitigkeiten in Venstre führten dazu, dass die neue Staatsministerin Mette Frederiksen bisher keine vernünftige Opposition bekommen hat. Ich hoffe, dass bleibt nicht so, denn Politik macht am meisten Spaß, wenn es eine qualifizierte Opposition gibt.
In Dänemark haben wir nun 10 Parteien im Folketing. Die neue Partei „Ny Borgerlige“ sind in scharfer Konkurrenz mit der Dansk Folkeparti und noch eine neue Partei ist gegründet worden. Simon Emil Ammitsbøl hat mit der Liberale Alliance gebrochen und hat die neue Partei „Fremad“ gegründet. Ja, in Dänemark hat man die Wahl.
Beim SSW geht es gut. Ich genieße es eure aktiven Leute zu treffen. Es ist spannend zu sehen, wie ihr die große politische Brandbreite, die es natürlich in einer Minderheit geben muss, hantiert. Ich fand es sehr spannend an eurem Landesparteitag im letzten Jahr teilzunehmen. Dort diskutiert ihr, ob ihr bei der nächsten Bundestagswahl aufstellen und nach Berlin gehen sollt. Das wird sehr viel Energie, Phantasie und harte Arbeit benötigen, wenn ihr das wollt. Aber es kann ohne Zweifel euch Einfluss und neue Energie zuführen. Viel Glück damit.
Und wie seid ihr stark in den Kommunen, wo viele von euren Mitgliedern jeden Tag hart arbeiten um gute Gemeinden zu entwickeln. Dabei ist es euch geglückt junge Kandidatinnen und Kandidaten zu aktiven oder sie haben sich ihre Plätze auf dem Landesparteitag erkämpft. Ihr hattet sogar den Oberbürgermeisterposten in Flensburg und habt eine gute Landtagsgruppe in Kiel, wo Anke Spoorendonk war eine Periode lang sogar Ministerin in der Landesregierung war. Das haben wir in meiner Partei noch nie probiert. Ihr arbeitet dafür Einfluss zu bekommen – egal ob die Sozialdemokraten, die Liberalen oder die Konservativen in Kiel die Macht. 
Es ist ein Vergnügen euch zu besuchen und von euch zu lernen. Jedes Mal lerne ich etwas Neues, dass ich vorher nicht wusste. Vor einiger Zeit war ich zusammen mit Flemming Meyer beim 150-jährigen Jubiläum von Flensborg Avis. Später am Abend tranken wir ein Bier zusammen. Und da zeigte sich, dass wir beide ein gemeinsames Interesse haben – nämlich die schwierige Situation der Kurden in der Türkei und in Syrien. Bevor wir uns umsahen hatten wir über eine Stunde über politischen Themen gesprochen. Vielen Dank dafür Flemming. 
Und vielen Dank auch an alle anderen, die ich im vergangenen Jahr getroffen habe. Ich möchte auf diesem Wege die herzlichsten Grüße von den sechs anderen Mitgliedern des Südschleswig-Ausschusses überbringen und mich für die gute Zusammenarbeit in 2019 bedanken. 
 Wir hoffen, dass ihr bereit seid für 2020, wo wir uns sicher noch öfter sehen werden, wenn die Grenzziehung gefeiert wird. Wir wünschen euch und euren Familien nur das beste für dieses Jahr. Und wir wünschen euch viel Glück bei eurer politischen Arbeit. Unsere gemeinsame Aufgabe vom Südschleswig-Ausschuss und SSW ist es zu sichern, dass es der Minderheit gut geht und dass die kommenden Generationen noch bessere Rahmenbedingungen vorfinden als unsere Generation. 

Lang lebe der SSW – die weltweit beste Minderheitenpartei.  

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