Press release · 04.11.2002 Anke Spoorendonk zur Ausstellungseröffnung „Kinder im KZ Theresienstadt"

Zur heutigen Ausstellungseröffnung „Kinder im KZ Theresienstadt“ in Dansk Centralbibliotek in Flensburg, sagte die Vorsitzende der SSW-Landtagsfraktion, Anke Spoorendonk u.a.:
„Theresienstadt als ”Musterlager” und ”Vorzeigeghetto” – diese Bezeichnungen, die von den Nazis geprägt wurden, entsprachen keinen Falls den tatsächlichen Verhältnissen. Doch aus vielen Berichten geht hervor, wie sehr das von den Nazis geschaffene Propagandabild auch über fünfzig Jahre später noch in den Köpfen funktionierte. Ruth Klüger, die als Elfjährige 1943 von Wien nach Theresienstadt verschleppt wurde, erzählt, dass sie in Gesprächen mit Deutschen immer wieder zu hören bekam: Theresienstadt – ach ja, das könne gar nicht so schlimm gewesen sein. Ruth Klüger werden Sie in den Texten dieser Ausstellung wieder finden.
Tatsache ist aber, dass Theresienstadt – eine kleine Festungsstadt gut 60 km nördlich von Prag –ein Durchgangslager war, eingerichtet um die Menschen zu konzentrieren, bevor man sie in die weiter östlich gelegenen Vernichtungsfabriken bringen würde. Die Unmenschlichkeit des Naziregimes wirkt aus der Perspektive der Kinder um so schrecklicher. So schrieb Irene Lauscherova, eine ehemalige Betreuerin über die seelische und körperliche Verfassung der Kinder. Die Kinder litten an vielen psychischen Störungen und Schwierigkeiten. Schlechter, oft unterbrochener Schlaf, starke Gewichtsverluste, die noch größer waren, als die ungenügende Ernährung erwarten ließ, Weinkrämpfe. Es dauerte auch lange, bis die Kleinen wieder spielen lernten. Womit sie spielten? Mit einem Stückchen Holz, mit einem Fetzen Stoff. Die Kinder waren einmal apathisch und deprimiert, dann aber wieder überlebhaft. Oft lehnten sie sogar die eigene Mutter ab, wenn sie diese nach der Arbeit besuchen kam. Wie konnten die Ärmsten auch verstehen, dass ihre Mütter sie ja nicht freiwillig allein gelassen hatten?“
Die heute hier gezeigten Bilder und Texte sind mehr als nur eine Dokumentation, sie sind eine Anklage, weil sie mehr als alles andere vermitteln, dass Menschlichkeit auch immer heißt, den Menschen die Möglichkeit zu erhalten sich gestalterisch auszudrücken. Vor ein paar Jahren gab das Bildungsministerium des Landes Schleswig-Holstein eine deutsche Übersetzung eines schwedischen Erzählbandes heraus mit dem Titel „Erzählt es euren Kindern“. Auch dieses sollten wir unseren Kindern erzählen, denn wer seine Geschichte nicht kennt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. “

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