Speech · 27.02.2026 Homophoben und transfeindlichen Entwicklungen entgegenwirken!
„Schule soll ein sicherer Ort sein. Für alle. Für queere Jugendliche ist sie es oftmals nicht.“
Jette Waldinger-Thiering zu TOP 25 - Sensibilität für queere Vielfalt an Schule fördern (Drs. 20/4106)
Schule soll ein sicherer Ort sein. Für alle. Für queere Jugendliche ist sie es oftmals nicht.
Queere Schülerinnen und Schüler gehören nach wie vor, so hat es erst gerade wieder die Sanscho-Studie bestätigt zu den vulnerablen Gruppen an Schulen.
Noch immer ist es so, dass queere Jugendliche vermehrt von Mobbing und Gewalt betroffen sind oder sich in der Schulzeit gar nicht erst trauen, sich zu outen. Etwa 25 % aller Suizidversuche unter Jugendlichen betreffen queere Jugendliche.
Es ist also noch lange nicht alles gut.
Daher finde ich bei allem, was in den letzten Jahren sicherlich auch besser geworden ist, es immer wieder sinnvoll, gegen zu checken und zu gucken, was man vielleicht verbessern kann.
Und bei den Vorschlägen im SPD-Antrag kann man, finde ich, sehr gut ansetzen.
Der Reihe nach:
Die Anerkennung des dgti-Ergänzungsausweises. Für uns als SSW eine völlig sinnvolle Maßnahme. Bei trans* Personen passen die amtlichen Ausweispapiere nicht immer mit dem selbstgewählten Namen überein. Vor allem nicht bei jungen Menschen, die vielleicht noch am Anfang ihrer Transition stehen. Die Deutsche Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit hat, um hier auszuhelfen, ein Ergänzungspapier zum Perso entwickelt, das alle selbstgewählten personenbezogenen Daten wie Vorname, Pronomen und Geschlecht dokumentiert und ein aktuelles Passfoto zeigt. Es ist ein standardisiertes Dokument, das Alltagssituationen wirklich erleichtert und behördlich anerkannt ist. In Ministerien, bei der Polizei und bei vielen weiteren Institutionen ist er bekannt und akzeptiert. Da, wo er nicht akzeptiert ist, ist er auch meistens nicht bekannt. Das scheint auch das Problem an einigen Schulen zu sein, so höre ich es jedenfalls von queeren Jugendverbänden und Organisationen. Also: ein sehr guter Punkt der schnell umsetzbar wäre.
Der zweite Punkt umfasst die Überarbeitung des Erlasses zur Verwendung geschlechtergerechter Sprache im Unterricht und in der Kommunikation von Schulen. Karin Prien hat sich 2021 leider in diesem Punkt ausgewiesen regressiv gezeigt und unsere Schulen angewiesen, Gender-Stern, Binnen-I, Gender-Gap oder Schrägstrich in schriftlichen Arbeiten als Fehler zu bewerten und an Schulen nicht zu verwenden. Ein genauso unnötiger wie unsinniger Schritt. Ich habe schon damals dafür plädiert, einen zeitgemäßen Umgang mit den Veränderungen in unserer Sprache zu finden und beispielsweise ab einer gewissen Klassenstufe in den allgemeinbildenden Schulen Unterrichtseinheiten zu geschlechtergerechter Sprache stattfinden zu lassen, die einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten bieten. Statt Sprachverbote von oben zu verteilen. Ehrlich gesagt: Habe ich gerade besonders viel Lust auf diese Debatte? Nein. Würde ich sie wieder genau so führen? Ja.
Von nun an wird der Antrag aber wirklich unkontrovers und so, dass ich mir kein echter Grund anfällt, warum irgendeiner der hier anwesenden Politikerinnen und Politikern nicht zustimmen sollte.
Die Aufnahme von Unisex-Toiletten in das Musterraumprogramm ist einfach nur logisch. Es gibt mehr als zwei Geschlechter. Es sollte mehr als zwei Toilettenräume geben.
Zuletzt der Punkt einer weiteren Handreichung zu queerer Vielfalt an Schule. Mein bisheriger Kenntnisstand war, dass er bereits eine kleinere Vielzahl solcher Handreichungen gibt. Aber ich sag mal so: schaden tut dieser Punkt nicht.
Insgesamt kann ich für den SSW festhalten: Auch wir sehen die homophoben und transfeindlichen Entwicklungen in dieser Gesellschaft. Vieles ist in den letzten Jahren gut vorangegangen. Aber es berichten immer noch zu viele Jugendliche und auch erwachsene Menschen von fürchterlichen Begegnungen, von Ausgrenzung und Diskriminierung, die sie aufgrund ihrer sexueller Orientierung oder Identität machen. Wir dürfen uns hier nicht entspannen und nicht zurücklehnen. Schon gar nicht in Schulen.