Speech · 18.06.2026 Menschen vor Ort bei der Energiewende mitnehmen!

„Wir merken zunehmend, wie die Stimmung kippt, weil vielerorts Windparks geplant werden, wo ein gültiger Regionalplan fehlt. Hier sollten wir nicht die weitere Erhöhung von Ausschreibemengen fordern, sondern die Menschen wieder mitnehmen. Die Privilegierung von Bürgerenergieanlagen kann dabei ein Weg sein. Die Energiewende kann nur gelingen, wenn wir die Menschen vor Ort mitnehmen. Das galt bisher und das gilt immer noch. Dafür stehen wir als SSW.“

Sybilla Nitsch zu TOP 29+46 - Ausbau statt Stillstand: Voller Einsatz für die Wasserstoff-Pipeline zwischen Ellund und Niebüll, Kurs Energiewende für Preisstabilität und mehr Unabhängigkeit (Drs. 20/4375, Drs. 20/4512, Drs. 20/4464)

Die Meldung der Gasnetzbetreiber, dass die Wasserstoff-Pipeline von Ellund nach Niebüll nicht kommen soll, hat bei vielen Menschen in der Region verärgertes Kopfschütteln ausgelöst. Wieder einmal ging eine Planung am Norden vorbei. Wieder einmal sollten wir abgehängt werden. Und diesmal war es extra absurd, denn wo soll er denn herkommen, der grüne Wasserstoff, wenn nicht von der Westküste? Wir können doch nicht die Hände in den Schoß legen und darauf warten, dass Dänemark uns schon versorgen wird. Keine andere Region in Deutschland hat so ein großes Potential zur Erzeugung grünen Wasserstoffs wie Nordfriesland.
Das haben auch die Netzbetreiber nun noch einmal nachgerechnet und nun soll sie doch kommen, die Pipeline, nur später als zunächst geplant. Der Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur gleicht dabei einem klassischen Henne-Ei-Problem. Gasunie wollte keine Pipeline bauen, weil die Wasserstoffproduktion zu gering ist und die Energie-Unternehmen, die startklar wären, produzieren keinen grünen Wasserstoff, weil es keine Pipeline gibt. Wir haben in unserer Region überwiegend mittelständische Unternehmen. Die großen Industriekonzerne würde man wohl nicht so vertrösten. Und doch: besser spät als gar nicht. Die Landesregierung muss nun in Gesprächen mit Gasunie sicherstellen, dass die Pipeline von Ellund nach Niebüll wirklich kommt. 
Es darf jetzt kein ewiges Hin- und Her geben, die Unternehmen in der Region brauchen Planungssicherheit. Auch wenn wir gerade positiv auf den geplanten Wasserstoffhochlauf in Nordfriesland blicken, wo mehrere Unternehmen in den Startlöchern stehen, muss uns klar sein: grüner Wasserstoff wird perspektivisch noch knapp und teuer sein. Darum wundere ich mich über den Antrag von CDU und Grünen, der eine frühere Umstellung von Kraftwerken auf den Energieträger Wasserstoff fordert. Niemand kann doch heute noch seriös glauben, dass die Zukunft darin liegt, grünen Wasserstoff zu verbrennen, um Strom und Wärme zu erzeugen. 
Den grünen Wasserstoff benötigen wir da, wo industrielle Prozesse nicht elektrifiziert werden können. Zur CO2-neutralen Wärmeerzeugung sind Wärmepumpen effizienter und preisgünstiger. Da können wir den Strom direkt nutzen, ohne ihn vorab mit viel Energieverlust zu Wasserstoff zu machen.

Aktuell tun wir alle drei Jahre so, als wären wir schmerzhaft überrascht von der teuren Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Als der Ukraine-Krieg begann, haben wir viel Geld in LNG-Infrastruktur investiert, um die Abhängigkeit von Russland - das immer noch über Drittländer beachtliche Mengen an LNG liefert - gegen eine Abhängigkeit von den USA einzutauschen. Nun stellen wir fest, dass wir noch immer genauso abhängig sind, obwohl wir doch so vieles besser machen wollten. Durch den Bau des festen LNG-Terminals in Brunsbüttel und die Planungen für die Lagerung von CO2 unter der Nordsee zementiert die Landesregierung die Abhängigkeit von fossilen Energien aus zweifelhaften Herkunftsstaaten und Quellen. 
Wir haben die erneuerbaren Energien im Land, wir müssen sie nur endlich so nutzen, dass sie die fossilen ablösen können. Durch Speicherlösungen, durch einen hinreichenden Netzausbau und durch die längst überfällige Digitalisierung unserer Stromnetze. 
Darüber hinaus ist die Aufteilung Deutschland in mehrere Strompreiszonen überfällig und unerlässlich. Damit der Norden endlich von niedrigeren Strompreisen profitieren kann. Das würde die Akzeptanz der Bevölkerung für die Energiewende deutlich erhöhen. 
Was wir dagegen nicht brauchen, ist ein Wildwuchs beim Windanlagenbau in Regionen ohne weitere Netzkapazität. Wir merken zunehmend, wie die Stimmung kippt, weil vielerorts Windparks geplant werden, wo ein gültiger Regionalplan fehlt. Hier sollten wir nicht die weitere Erhöhung von Ausschreibemengen fordern, sondern die Menschen wieder mitnehmen. Die Privilegierung von Bürgerenergieanlagen kann dabei ein Weg sein. Die Energiewende kann nur gelingen, wenn wir die Menschen vor Ort mitnehmen. Das galt bisher und das gilt immer noch. Dafür stehen wir als SSW.

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