Speech · 26.08.2026 Sprachenarbeit endlich zukunftsfähig machen!

„Das A und O der Sprachenarbeit ist die Hauptamtlichkeit. Wenn die Landesregierung den Verfassungsauftrag ernst nimmt, muss sie selbstverständlich die institutionelle Förderung absichern. Das niederdeutsche Zentrum in Leck leistet Überragendes, muss aber personell weiter verstärkt werden, damit die Ehrenamtliche verlässliche Ansprechpartner bekommen.“

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 21 u. 62 - Förderung der niederdeutschen Sprache in
Schleswig-Holstein, Fortschreibung des Landesplan Niederdeutsch (Drs. 20/4372, 4520, 4596)

Die Landesregierung hat den Landesplan Niederdeutsch fortgeschrieben. Das ist gut und richtig, denn entgegen der landläufigen Meinung entwickelt sich die oftmals als altmodisch verschriene niederdeutsche Sprache jeden Tag weiter. Da ist es gut, dass auch die Maßnahmen damit Schritt halten. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich alle Befunde teile. Ich hätte mir neue, innovative Konzepte gewünscht, die zukunftsfähig sind.
Das A und O der Sprachenarbeit ist die Hauptamtlichkeit; und zwar eine verlässliche und existenzsichernde Hauptamtlichkeit. Wenn die Landesregierung den Verfassungsauftrag ernst nimmt, muss sie selbstverständlich die institutionelle Förderung absichern. Das niederdeutsche Zentrum in Leck leistet Überragendes, muss aber personell weiter verstärkt werden, damit die Ehrenamtliche verlässliche Ansprechpartner bekommen. Die Landesregierung muss andererseits auch ihre eigenen, internen Strukturen stabilisieren. Damit meine ich einerseits, dass die Stelle der IQSH-Landesfachberatung Niederdeutsch schleunigst zu besetzen ist; und andererseits, dass in der Verwaltung Niederdeutsch einen Platz bekommt. Ein Gesetz wird nicht schlechter, weil es auf Niederdeutsch beraten wurde; eine Auskunft nicht unzuverlässiger, weil sie auf Niederdeutsch gegeben wurde und ein Bericht wird übrigens auch nicht unseriöser, wenn er auf Niederdeutsch geschrieben wurde. Die Landesregierung und die Behörden der Landesverwaltung sind Teil der niederdeutschen Szene – schließlich arbeiten hier viele, die die Sprache beherrschen. Aber, wenn es ernst wird, ist es dann doch die hochdeutsche Sprache, in der die Landesregierung kommuniziert. Da verschenkt die Regierung ein enormes Potential; das ansonsten als Vorbild dienen könnte als Best practice Beispiel und nicht zuletzt als Ermutigung.
Die bestehende Förderung muss weiter verstetigt werden. Gerade im europäischen Kontext ist die Zusammenarbeit der Minderheiten und Volksgruppe sowie der regionalen Sprachen sehr wichtig. Der Landesplan zeugt von der guten Zusammenarbeit, indem beispielsweise Landesfachtage und Weiterbildungen für alle Sprechergruppen durchgeführt werden.  Gleichzeitig darf es nicht zu Verteilungskämpfen angesichts knapper Ressourcen kommen. Der Eindruck, der auch der Landesplan erweckt, dass alle heimischen Sprachen und Kulturen irgendwie aus einem Topf gespeist werden, ist falsch. Wenn bestimmte Gruppen eine Förderung bekommen, geht es eben nicht zu Lasten der anderen – sollte es zumindest nicht. Wer die kleinen Gruppen gegeneinander auszuspielen versucht, erweist der Gemeinschaft in Schleswig-Holstein einen Bärendienst. 
Zum Schluss möchte ich einen Punkt hervorheben. Niederdeutsch ist eine Ressource und ein Schatz, den es zu heben gilt. Sie zeichnet den echten Norden aus. Das ist ein Unique Selling Point, auf den uns übrigens nicht erst die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen aufmerksam gemacht hat. Niederdeutsch gehört zu Schleswig-Holstein und ist auch Standortpolitik. Das Niederdeutsch-Studium an der Europa-Universität stärkt den Standort, denn obwohl Niederdeutsch ein zahlenmäßig eher kleines Fach ist, wie Friesisch und Dänisch übrigens auch, stärken alle Minderheiten- und Regionalsprachen das Profil der Universität im nationalen und internationalen Wettbewerb. Bei der chronischen Unterfinanzierung der EUF gebührt ihr dafür unsere höchste Anerkennung.

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