Rede · 24.02.2017 Chancengleichheit, Lernen von- und miteinander neben individueller Förderung

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 32 + 68 + 72 - Potenziale frühzeitig erkennen – Das System der Begabtenförderung weiterentwickeln

Wer sich die bildungspolitischen Reden der letzten Jahre, fast schon Jahrzehnte, durchliest, merkt schnell, dass das Thema der „Hochbegabung“ von den konservativen Parteien in Schleswig-Holstein, CDU und FDP, immer mal wieder heraus gekramt wird. Ohne Not und ohne akuten Handlungsbedarf. 

Der Bericht der Landesregierung zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Begabungen an den öffentlichen Schulen in Schleswig-Holstein hätte die CDU-Fraktion doch eigentlich beruhigen können, denn er lässt deutlich werden: 

Es ist uns natürlich ein Anliegen, Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrer verschiedenen Begabungen zu fördern und zu fordern.

Ich muss zugeben, ich habe ein zwiegespaltenes Verhältnis zu diesem uns vorliegenden Antrag. Einerseits fordert er, was in Schleswig-Holstein schon geschieht. Andererseits weist er in eine mir unangenehme Richtung. 

Fangen wir bei den Gemeinsamkeiten an: 

Heike Franzen und ihre Fraktion möchten, dass die Potenziale der Schülerinnen und Schüler frühzeitig erkannt und günstige Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der Begabten- und Hochbegabtenförderung geschaffen werden. Außerdem solle die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Hochschulen weiter ausgebaut werden.

Wie Sie alle dem Bericht der Landesregierung entnehmen können, ist sie da ganz auf unserer Linie. 

Es gibt bereits nicht nur die Möglichkeit der Leistungsgruppierung, das Drehtürmodell, die Teilnahme an regionalen und landesweiten Wettbewerben und die Wettbewerbsvorbereitung, sondern auch die außerschulische Begabungsförderung und das Juniorstudium an der CAU zu Kiel, der Uni Lübeck und der Europa-Universität Flensburg, das Möglichkeiten bietet, das akademische Umfeld kennen zu lernen. 

Auch der Hinweis, den Wechsel von der Gemeinschaftsschule ans Gymnasium einfacher zu gestalten ist vernünftig. Da sind Sie ja ganz bei uns! Der SSW ist immer dafür, dass ein Aufstieg im Bildungssystem möglich sein muss. Prinzipiell ist der Wechsel möglich. Inwiefern wir ihn aber erleichtern können, können wir gerne im Ausschuss erörtern. 

Kommen wir zu dem Punkt, bei dem ich nicht mitgehen kann: Die CDU möchte „Hochbegabtenklassen“ einführen.

Hier haben wir einen maximalen Exklusionsgedanken. Sie will die Bestenauslese schon in der Schule. Es geht ihr nicht um Fairness, einander helfen und voneinander lernen. 

Wie sie ganze Klassen aus 2,2% hochbegabten Schülerinnen und Schülern formen will, erscheint mir davon abgesehen etwas abenteuerlich. 

Hochbegabte brauchen vor allem eine individualisierte Förderung, die ihr Potenzial erkennt und entfaltet, um einer Unterforderung entgegenzuwirken, die zu Motivationseinbrüchen oder Schwierigkeiten im Sozialverhalten führen kann. 

Das Wichtige ist aber: Wir wollen die gemeinsame Beschulung von Kindern und Jugendlichen. Wir wollen ein inklusives Schulsystem. Tatsächliche Chancengleichheit, lernen von- und miteinander. 

Tatsächlich ist der formulierte Antrag der CDU schlichtweg unnötig. Wir werden im Ausschuss versuchen, das Beste aus ihm heraus zu holen. 

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