Rede · 19.06.2003 Handwerksordnung weiterentwickeln

Der SSW tritt für eine grundlegende Reform des dualen Ausbildungssystems in Deutschland ein, um für die globalen Herausforderungen vor denen unser Wirtschaftsstandort steht, gerüstet zu sein. Von daher halten wir auch die Reform der Handwerks-Ordnung, wie sie die Bundesregierung beschlossen hat, für einen ersten kleinen Schritt in die richtige Richtung.

Im Prinzip treten wir sogar dafür ein, dass die Meisterpflicht in allen Handwerksberufen aufgehoben wird. Denn gerade vor dem Hintergrund des innereuropäischen Wirtschaftsraumes macht es heute keinen Sinn mehr, den freien Wettbewerb im Handwerk durch die Meisterpflicht einzuschränken. Viele unserer Nachbarländer – zum Beispiel Dänemark seit 1972 – sind schon lange vom „Meistersystem“ in der Handwerksausbildung abgewichen – mit Erfolg.

So hat die Bertelsmann-Stiftung 1999 das dänische Ausbildungssystem mit seinen Modulen und flexiblen Ausbildungsangebot als bestes und zukunftsfähigstes System in Europa prämiert. Insbesondere die kürzeren modulaufgebauten Ausbildungsverlaufe sorgen dafür, dass das Ausbildungssystem sehr flexibel auf neue Entwicklungen reagieren kann.

Das Handwerk in Dänemark hat also durch diese Entwicklung keinen Schaden genommen - im Gegenteil - so gibt es bei unseren nördlichen Nachbarn eine sehr wettbewerbsfähige Handwerksbranche, die allerdings auch durch die niedrigeren Lohnnebenkosten begünstigt wird. Auch das Ausbildungsangebot hat durch die Abschaffung der Meisterpflicht nicht gelitten.

Wir unterstützten also die Zielrichtung der Clement-Pläne und könnten uns langfristig vorstellen, dass man die Unterscheidung in A- und B-Berufe irgendwann aufheben wird. Natürlich muss man in einigen Bereichen weiterhin Anforderungen an die fachliche Ausbildung- und Qualität der Handwerker stellen - das ist selbstverständlich – zum Beispiel im Installations- und Elektrobereich. Aber deshalb braucht man nicht unbedingt das Meistersystem.

Natürlich wissen wir, dass große Teile des Handwerks die Befürchtung haben, dass sich die geplante Änderung negativ auf die Wettbewerbs- und Ausbildungssituation ihrer Betriebe auswirken kann. Aber ich glaube, die Ursache dieser Befürchtungen ist eher im vorherrschenden Pessimismus wegen der schlechten Konjunkturaussichten als an der wirklichen Bedrohung durch diese Pläne zu suchen.

Wir sehen nicht die Gefahr, dass durch die Abschaffung der Meisterpflicht langfristig negative Auswirkungen für die Ausbildungs- und Arbeitsplätze entstehen. Die Ausbildung wird auch in Zukunft das A und O sein, um einen Arbeitsplatz zu bekommen und um als Unternehmen wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch wenn die Meisterpflicht abgeschafft wird, kann eine Meisterausbildung weiterhin im Wettbewerb als Qualitätsmerkmal des Unternehmens offensiv eingesetzt werden.

Ein Wort zum Schluss noch zu den Anträgen von CDU und FDP. Ich kann ja verstehen, dass die CDU die jetzige Handwerksordnung gerne verteidigen möchte. Gerade die Handwerker sind ja sehr stark in der Mittelstandsvereinigung der CDU vertreten und die Christdemokraten sind ja nicht die Verfechter des Liberalismus. Aber das die FDP so erpicht darauf ist, die Meisterpflicht zu erhalten ist ja eigentlich merkwürdig und inkonsequent. Denn normalerweise predigen Sie uns doch täglich die Segnungen einer liberalen Wirtschaftsordnung. Wieso dieses dann ausgerechnet beim Handwerk nicht gelten soll, das bleibt Ihr Geheimnis.

Wir jedenfalls hoffen, dass hier endlich ein konkreter Beitrag zur Deregulierung und Vereinfachung geleistet wird, der unsere Betriebe wettbewerbsfähiger macht und die Chancen, sich selbständig zu machen, erhöht.

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