Speech · 19.06.2026 Missunde III - Ein peinlicher Verlauf

„Sollte sich erweisen, dass die Missunde III-Fähre nicht dauerhaft betriebsfähig ist für diese Querung an der Schlei, muss für den Übergang die Missunde II eingesetzt, damit dann ein kleinerer, betriebsfähiger und wirtschaftlicher Neubau einer Fähre geplant werden kann. Es braucht dringend einen verlässlichen Plan und es braucht Vertrauen, das wachsen kann.“

Sybilla Nitsch zu TOP 50 - Sicherstellung der Fährverbindung Missunde durch strategische Neuausrichtung (Drs.20/4521 (neu), 20/4561)

Es könnte alles so schön schnuckelig und romantisch sein. Das reinste Postkartenidyll. Schleswig-Holstein, meerumschlungen zwischen den weiten Rapsfeldern, lässt sich eine andere Uferseite erkennen und dazu gibt es eine kleine Fähre, die Autos, Fahrräder und Fußgänger von Ufer zu Ufer über die Schlei bringt. Ach was wäre das schön.
Leider sieht die Realität tatsächlich anders aus. Die Hängepartie detailliert wiederzugeben, würde glaube ich hier den Rahmen sprengen. Deshalb halte ich mich nur an Schlagwörter zur Beschreibung der aktuellen Gegebenheiten. Eine Fähre, die nach dem Kauf wieder zurück zur Werft muss. Kosten die in die Höhe schnellen, lassen Sie es sich auf der Zunge zergehen: ursprünglich war von 2,5 Mio. Euro die Rede, jetzt belaufen sich die Gesamtkosten auf 6,5 Mio. Euro, Anleger, die umgebaut werden müssen, ein teurer Rückkauf der schon verkauften, alten Fähre, Terminverschiebung des Testlaufs, gerissener Antriebsriemen und weitere Betriebsunterbrechungen und zu guter Letzt ein Fährbetreiber, der Aussteigen möchte. So viel im Schnelldurchlauf. Was verschärfend hinzu kommt, ist, dass es kaum Ausweichrouten gibt, auf Grund der prekären Verkehrslage rund um die Schlei. Es wäre alles halb so schlimm, wenn es eine gute Alternative gäbe. Doch das ist nicht der Fall. Damit nicht genug. Die wirtschaftliche Lage vor Ort ist durchwachsen. Viele Betriebe wussten nicht, wie und wann sie Personal einplanen können. Hinzu kommt die generelle, massive Einschränkung der Mobilität der Einwohnerinnen und Einwohner.

Egal ob beruflich oder privat: Die Zeit, die in den vielen Monaten ohne Fähre draufgegangen ist, lässt sich nicht mehr zurückholen. Auch die fehlenden Umsätze lassen sich kaum noch aufholen. Das ist bitter. Ja, alle hätten sich einen anderen Verlauf gewünscht. 
Aber ein einfaches „Sorry- jetzt läuft es ja wieder“ und wir machen weiter wie bisher ist zu wenig und fast schon ein Hohn für die Menschen vor Ort. 
Was es nicht besser macht, ist das Hinhalten. Mit dem Hinweis darauf, dass die nächste Reparatur das Problem lösen wird, wirbt die Landesregierung mit billigem Zucker.
Dabei mag es am Ende sogar gelingen das Problem zu lösen, doch die Menschen vor Ort haben nach all den Erfahrungen der vergangenen Jahre jedes Recht, daran zu zweifeln.
Das haben sie auch immer wieder deutlich gemacht, wie man kürzlich in einem Schreiben schwarz auf weiß lesen konnte. Vertrauen lässt sich nicht durch Ankündigungen reparieren. Vertrauen braucht Augenhöhe und Vertrauen braucht Handlungsoptionen.

Was passiert, wenn der nächste Reparaturversuch abermals scheitert? Was passiert in weiteren Worst-Case-Szenarien? Wann will die Landesregierung die Reißleine ziehen? 
Ich habe hohen Respekt vor der nun anstehenden Hochsaison. Wir befinden uns zwei Wochen vor den schleswig-holsteinischen Sommerferien. Vor diesem Hintergrund ist es nur förderlich, jetzt eine Testphase abzuhalten, ohne dazwischenzufunken.
Nach der Saison erwarten die SPD-Fraktion und meine Fraktion vom SSW jedoch eine transparente und unabhängige Überprüfung über die langfristige Betriebsfähigkeit der Missunde III. Sollte sich erweisen, dass die Missunde III-Fähre nicht dauerhaft betriebsfähig ist für diese Querung an der Schlei, muss für den Übergang die Missunde II eingesetzt, damit dann ein kleinerer, betriebsfähiger und wirtschaftlicher Neubau einer Fähre geplant werden kann. 
Es braucht dringend einen verlässlichen Plan und es braucht Vertrauen, das wachsen kann.
Deshalb muss eine fachliche Überprüfung auf den Tisch.
Immerhin sind die regierungstragenden Fraktionen nun auf die Idee einer Analyse gekommen und der Handlungsbedarf wurde anerkannt. Aber das greift zu kurz, Sie müssen den Willen für das Ziehen der Reißleine zeigen, um auf Dauer Verlässlichkeit für den Fährbetrieb bei Missunde zu zeigen.  Immer nur in Monatsschritten zu planen, reicht nicht aus.  Das sind Sie der Region schuldig. Einen gewissen Handlungsbedarf erkennt auch Minister Madsen an und benennt dabei geradezu detaillverliebt alle Fehler, übernimmt auch hier und da ein bisschen Verantwortung, zieht daraus aber keinerlei Konsequenzen.
Das scheint sich insgesamt zum Markenzeichen dieser Landesregierung zu entwickeln. Leider auf Kosten der Bevölkerung und der Wirtschaft in der Schleiregion. 

Weitere Artikel

Speech · 18.06.2026 Gehörlosen Menschen endlich Anerkennung geben!

„Als Minderheitenpartei wissen wir, was es bedeutet, wenn Menschen übersehen werden. Wir wissen, wie wichtig es ist, dass nicht immer nur diejenigen berücksichtigt werden, die ihre Interessen am schrillsten vertreten. Und vielleicht fällt uns deshalb besonders deutlich auf, wenn diejenigen vergessen werden, die keine große Lobby haben. Für mich ist das Gehörlosengeld deshalb weit mehr als eine finanzielle Leistung. Es ist ein Zeichen des Respekts. “

Weiterlesen

Speech · 19.06.2026 Demokratie weiterentwickeln!

„Es geht es darum, unsere Demokratie zu schützen, zu verbessern, gleichsam weiterzuentwickeln wie zu bewahren.“

Weiterlesen

Speech · 19.06.2026 Es muss noch mehr in Bildung investiert werden!

„In anderen Ländern ist es selbstverständlich, dass Bildung einen großen Teil des Haushalts vereinnahmt um ausreichend Personal an Schulen zu finanzieren. Deshalb hoffe ich, dass wir auch in Schleswig-Holstein großzügig und transparent in der Planstellenzuweisung für Schulen agieren.“

Weiterlesen