Rede · 25.02.2026 Arbeitsbedingungen in unseren Kitas verbessern!

„Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen für zufriedene und motivierte Beschäftigte - denn die sind die Grundvoraussetzung für eine gute frühkindliche Bildung!“

Christian Dirschauer zu TOP 7+11 - Mündlicher Bericht zur Überarbeitung der Leitlinien zum Bildungsauftrag in Kindertagesstätten und Umfrage zur Arbeitssituation in Kindertagesstätten und in der Kindertagespflege in Schleswig-Holstein auf den Weg bringen (Drs. 20/4004 und 20/4073)

Die frühkindliche Bildung hat uns ja schon recht prominent per Regierungserklärung beschäftigt. Aber mein Beitrag war dort dem Rahmen entsprechend ähnlich übergeordnet und grundsätzlich, wie andere Reden auch. Deshalb möchte ich bei dieser Gelegenheit einmal ganz praktisch auf den Kitaalltag schauen und einen beispielhaften Tagesablauf beschreiben: Oft ist der Start in den Tag in kleinen Gruppen sanft und entspannt. Am Vormittag ist Zeit für verschiedene Projekte - etwa für einen kleinen Ausflug ins Grüne oder für Kleingruppenarbeit. Mittags wird gemeinsam gegessen und die Beschäftigten nehmen sich Zeit für die Betreuung der Kinder. Es gibt verlässliche Pausenregelungen und die Mitarbeitenden haben die Gelegenheit, sich ein wenig zu erholen. Am Nachmittag klingt der Tag mit ruhigen Spielphasen aus und es gibt unter anderem Raum für Dokumentation und weitere Büroarbeit.

Wer jetzt denkt: Da stimmt doch was nicht. So sieht es in unseren Kitas doch in den seltensten Fällen aus, der hat recht. Denn auch wenn mitunter vielleicht etwas idealisiert, habe ich damit nicht den schleswig-holsteinischen, sondern den dänischen Alltag in Krippe und Kita beschrieben. Das ist wirklich spannend: Wer sich das dänische System mal genauer anschaut, wird gravierende Unterschiede erkennen. Und zwar nicht nur mit Blick auf den größeren Raum für die pädagogische Arbeit, sondern auch bei Themen wie Arbeitszufriedenheit, Krankenstand, Bezahlung oder Arbeitszeit. Natürlich gehört zur Wahrheit dazu, dass Fachkräfte in dänischen Einrichtungen im Normalfall nur rund halb so viele Kinder betreuen, wie bei uns. Aber der Blick Richtung Norden zeigt uns, wie wichtig gute Rahmenbedingungen für die Beschäftigten sind. Und er zeigt uns auch, was unter solchen Bedingungen alles möglich ist.

Es klingt vielleicht banal: Aber genau diese guten Rahmenbedingungen zu schaffen, ist und bleibt für den SSW immer das übergeordnete kitapolitische Ziel. Und weil eine ganze Reihe von Maßnahmen im aktuellen Reformprozesses in diese Richtung gehen, haben wir viele dieser Dinge mitgetragen. Noch dazu will ich auch gar nicht von der Hand weisen, dass mehr Geld in diesen Bereich fließt als je zuvor. Aber mir ist trotzdem wichtig zu betonen, dass wir uns nicht mit dem Status Quo zufriedengeben können. Aktuell rückläufige Kinderzahlen in den Kitas mögen Spielräume eröffnen, die ja in Teilen auch sinnvoll genutzt werden. Aber in Kita und Tagespflege existieren nach wie vor sehr große Baustellen. Und deshalb müssen mittel- und langfristig weitere Anstrengungen und auch mehr Ressourcen her, um die frühkindliche Bildung auf ein Niveau zu heben, das dem Begriff „Bildung“ auch tatsächlich gerecht wird.

Ich habe das Thema Arbeitssituation erwähnt. Und ich denke im aufgezeigten Kontrast zum Alltag in dänischen Einrichtungen wird eins besonders deutlich: Hier gibt es bei uns in Schleswig-Holstein noch reichlich Luft nach oben. Mein Eindruck ist, dass wir ganz grundsätzlich zu verlässlicheren Rahmenbedingungen und zu einem besseren Arbeitsklima in unseren Kitas kommen müssen. Nur so sorgen wir für zufriedene und motivierte Beschäftigte, die wir als absolute Grundvoraussetzung für eine gute frühkindliche Bildung brauchen. Leider wurde die Frage, wie zufrieden oder unzufrieden die Beschäftigten in Kita und Tagespflege bei uns im Land sind, vor kurzem von einer anderen Debatte überlagert. Und zwar darüber, ob eine entsprechende Umfrage der GEW repräsentativ ist oder nicht. Aus meiner Sicht ist die Einschätzung der Mitarbeitenden aber gerade vor dem Hintergrund der vielen Veränderungen durch die Kita-Reform besonders wichtig. Und damit wir nicht über Formalitäten diskutieren, sondern uns mit konkreten Anregungen der Beschäftigten zu Themen wie Arbeitsbelastung, pädagogische Rahmenbedingungen oder Vereinbarkeit von Beruf und Familie auseinandersetzen, fordern wir eine entsprechende Umfrage.

Ich verbinde mit dieser Befragung und den Ergebnissen die Hoffnung, dass wir das Kitasystem praxisnah und im Sinne der hier Tätigen weiterentwickeln. Das wäre auch eine durchaus sinnvolle Ergänzung zu den gerade überarbeitenden Bildungsleitlinien. Denn die sollen nach meinem Verständnis allen Menschen, die in der frühkindlichen Bildung arbeiten, ein zeitgemäßes Rüstzeug an die Hand geben und sie möglichst gut in ihrer pädagogischen Arbeit unterstützen. Und genau hier, bei der Frage der Unterstützung im Arbeitsalltag der Kita Beschäftigten scheint es in vielen Fällen noch Verbesserungsbedarf zu geben. Hier sollten wir dringend ansetzen, um bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen und damit die frühkindliche Bildung insgesamt noch weiter zu verbessern.

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