Rede · 19.06.2024 Demokratiebildung an Schulen stärken

„In einer Struktur, in der sich Kinder und Jugendliche in ihrem Handeln und Denken respektiert und ernstgenommen fühlen und sie sich als Teil des Ganzen sehen, weil sie Einfluss darauf haben, kann Demokratie am besten gedeihen.“

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 16 - Rahmenkonzept Demokratiebildung an Schulen (Drs. 20/2208)

In Zeiten, in denen der Extremismus in Europa zunimmt und radikale Parteien und Regierung die Demokratie schwächen - ist es besonders wichtig, rechtzeitig auf radikale und undemokratische Tendenzen zu reagieren.
Bei uns in Schleswig-Holstein haben circa 17 % der Jugendliche die AfD gewählt. Aber mehr als 80 % haben sie nicht gewählt. Das Bild passt zu den Ergebnissen der ICC-Studie, die gezeigt hat, dass die Schüler und Schülerinnen unserer achten Klassen in Schleswig-Holstein in Sachen Demokratiebildung im Ländervergleich ganz vernünftig aufgestellt sind.
Und trotzdem müssen wir jetzt aufmerksam sein und die Demokratiebildung an Schulen fokussieren. Wir begrüßen das Rahmenkonzept der SPD und die Forderung die Demokratiebildung an Schulen zu fördern und auszuweiten.
Die Demokratiebildung darf nicht erst in der achten Klasse beginnen. Kinder müssen früh darauf vorbereitet und gerüstet werden, ihr Handeln und ihre Entscheidungen im demokratischen Kontext zu sehen.
Und wie kann das jetzt gelingen?
Das Rahmenkonzept gibt eine gute Orientierung für die konkrete und alltagstaugliche Umsetzung der Demokratiebildung.
Gerechterweise muss an dieser Stelle auch gesagt werden, dass wir das Rad hier nicht neu erfinden müssen, sondern dass schon seit Jahrzehnten viele Lehrkräfte und Schulleitung die Demokratiebildung an ihren Schulen mit viel Engagement und Überzeugung umsetzen. 
Jetzt gilt es, dieses Bestreben, zu stärken und zu fördern.
Denn es gibt noch genug Lehrkräfte, die selbst nicht unbedingt in der Lage sind, politisches und demokratisches Handeln und Denken zu erfassen und sich selbst ausreichend zu reflektieren, um unvoreingenommen demokratische Werte zu vermitteln. Deshalb dürfen wir die Lehrkräfteausbildung nicht vergessen und müssen auch hier die Demokratiebildung vermehrt fokussieren.
Generell benötigen wir Strukturen an unseren Bildungseinrichtungen, in denen sich die Schüler und Schülerinnen wieder finden. Wie auch im Rahmenkonzept erwähnt, gehört dazu eine angemessene Selbstbestimmung und die Transparenz des Systems. 
Nun wissen wir, dass man mit der Selbstbestimmung bei Kindern und Jugendlichen schnell an unterschiedlichste Grenzen des Machbaren gerät. Und trotzdem gilt es, den Schülern und Schülerinnen so viel Selbstwirksamkeit wie möglich zu bieten. 
Denn wenn mir als Individuum die Partizipation ermöglicht wird und ich mein Handeln als selbstwirksam erlebe, verschafft mir das ein Gefühl von Sicherheit.
In einer Struktur, in der sich Kinder und Jugendliche in ihrem Handeln und Denken respektiert und ernstgenommen fühlen und sie sich als Teil des Ganzen sehen, weil sie Einfluss darauf haben,  kann Demokratie am besten gedeihen. 
Wenn wir diese Ideale jetzt auf den Schulalltag runterbrechen, bedeutet das, dass es genügend zeitliche und personelle Ressourcen braucht, um Schüler und Schülerinnen Raum und Begleitung für Dialoge und Diskussionen miteinander zu ermöglichen.
Raum, um die Ideen der Schüler und Schülerinnen zur Gestaltung des Schulalltags aufzunehmen. 
Hierzu gab es bereits erfolgreiche Pilotprojekte, bei denen Schüler und Schülerinnen die Schultoiletten selbst gestalten durften, um somit Vandalismus entgegenzuwirken.
Die aktuellen Krisen und Katastrophen prägen unsere Kinder sehr und auch die aktuellen Jugendumfragen bestätigen, dass unsere Jugend sehr verunsichert ist und sorgenvoll in die Zukunft blickt. Diese Situation macht unsere Kinder und Jugendliche besonders anfällig für populistische und radikale Parolen und Ansichten die einfache Lösungen versprechen.
Wir müssen es schaffen, die Sorge und Hilflosigkeit dieser Generation aufzufangen und sie zu stärken. Damit sie die Herausforderungen unserer Zeit anpacken können und hoffnungsvoll nach vorne blicken dürfen.

 

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