Rede · 16.09.2026 Den Sport weiter fördern statt Parallelstrukturen aufzubauen
„Wer Sportland sein will, muss auch bereit sein, die entsprechenden Ressourcen bereitzustellen. Bei stetig steigenden Kosten, auch im Sport, braucht es zusätzliche Mittel, um die formulierten Ziele nachhaltig verfolgen zu können.“
Sybilla Nitsch zu TOP 15 - Von Tischtennisplatte bis Bolzplatz – freie Sportmöglichkeiten in Schleswig-Holstein digital sichtbar machen, Evaluation des Gesetzes zur Förderung des Sports im Land Schleswig-Holstein (SportFG SH) vom 7. März 2022 (Drs. 20/4708 + 20/4705)
Das Anliegen der SPD, Sport und Bewegung einfach zugänglich zu machen, teilen wir grundlegend. Denn Sport ist mehr als irgendein Hobby – es ist ein integraler Bestandteil unserer Gesellschaft: Essenziell für Gesundheit und Lebensqualität, aber auch ein wichtiger Bestandteil sozialer Integration und Teilhabe. Dem Sport kommt damit eine große Bedeutung zu, und diese gilt es bestmöglich zu erhalten und stärken.
Bei der zentralen Frage „Wie“ unterscheiden wir uns jedoch vom Ansatz der SPD. Die Idee einer solchen App ist zunächst durchaus sympathisch, aber sie ist weder ganz neu noch verhältnismäßig. Ein solches Projekt bindet viele Ressourcen, vor allem personelle. Schon ein kurzer Griff zum Smartphone genügt, um zu sehen, dass es bereits ähnliche, frei verfügbare Angebote gibt – von privaten Anbietern, aber insbesondere auch die BewegungsLandkarte des DOSB. Sie verschafft einen Überblick über zahlreiche Sportmöglichkeiten im ganzen Bundesgebiet, auch bei uns in Schleswig-Holstein: von öffentlich zugänglichen Orten wie Bolz- oder Basketballplätzen bis hin zu vereinsorganisierten Sportangeboten. Auch dort lässt es sich bequem nach Ort und Sportart filtern.
Es erscheint sinnvoller, diese bestehenden Angebote stärker zu bewerben und ihnen so zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen, als Parallelstrukturen aufzubauen. Ein solcher Aufbau würde massive Personalressourcen binden – nicht nur bei der einmaligen Erfassung der Angebote, sondern vor allem bei der laufenden Pflege der Daten. Von den Entwicklungskosten der App ganz zu schweigen. Gerade in Zeiten, in denen Kommunen bereits überlastet sind, erscheint uns dieses Vorhaben nicht verhältnismäßig.
Nichtdestotrotz möchte ich noch einmal deutlich machen: Wir müssen den Sport weiter fördern. Das haben wir immer wieder betont – auch in den letzten Haushaltberatungen, wo wir für den LSV gemäß Sportfördergesetz insgesamt 18,75 Mio. gefordert haben, sowie für die Sanierung kommunaler Sportstätten insgesamt 7 Mio., und in der letzten Plenartagung, haben wir die Bedeutung der Sportförderung hervorgehoben. Dass sich Investitionen in den Sport lohnen, zeigt die Evaluation des Gesetzes zur Förderung des Sports eindeutig.
Die Evaluation zeigt: Das Gesetz wirkt. Die Mitgliederzahlen wachsen, das Ehrenamt wird gestärkt, mehr Nachwuchssportler werden gefördert, Sportstätten werden strukturiert saniert und sportliche Erfolge werden erzielt. All das sind wichtige Indikatoren für den Sport. Vor allem wird der Erfolg sozialer Projekte deutlich, die soziale Integration, Vielfalt und Teilhabe fördern. Stellvertretend möchte ich die Projekte „Fit für die Vielfalt“ und „Sport für Alle“ hervorheben. Projekte, die zeigen, wie vielfältig Sport sein kann: Vom intensiven Wettkampf bis hin zum Begegnungsraum von Menschen und Kulturen. Die Vielfältigkeit des Sports ist keine Nebensache, sondern seine eigentliche Stärke. Genau deshalb ist es wichtig, den Sport strukturiert zu fördern.
Die Evaluation macht aber auch deutlich:
Wir dürfen uns auf diesen ersten Ergebnissen des Gesetzes nicht ausruhen. Wie der LSV mit seinen formulierten Mehrbedarfen aufzeigt, braucht es weitere Fördermittel, um die Angebote und Projekte aufrechtzuerhalten und dem massiven Sanierungsstau in der Sportinfrastruktur entgegenzuwirken. Hier hätte ein Anteil des Sondervermögens Abhilfe geschaffen. Das Gesetz hat – auch zurecht – langfristige Ziele definiert.
Das aktuelle Ergebnis der Evaluation sollte daher nur als Etappensieg verstanden werden, am Ziel sind wir noch nicht.
Vor inzwischen über drei Jahren haben wir einen Antrag eingebracht, der darauf abzielt, die Sportentwicklungsplanung konsequent finanziell zu unterlegen. Ich würde mich freuen, wenn wir hier am Ende der Wahlperiode einen gemeinsamen Ansatz finden. Dies bleibt weiterhin ein wichtiges Anliegen, denn wer Sportland sein will, muss auch bereit sein, die entsprechenden Ressourcen bereitzustellen. Bei stetig steigenden Kosten, auch im Sport, braucht es zusätzliche Mittel, um die formulierten Ziele nachhaltig verfolgen zu können. Inwieweit der LSV angesichts seiner Rahmenbedingungen als Sportverband selbst weitere Mittel einwerben kann, dürfte eine schwere Frage, zumindest sollte man diese Idee aber erörtern. Bei einer solchen Prüfung muss jedoch stets das eigentliche Ziel im Vordergrund stehen: ein bestmögliches, vielfältiges Sportangebot für die Menschen in Schleswig-Holstein.
Lassen Sie uns daher den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen: die Erfolge der Evaluation würdigen und echte Mehrbedarfe gezielt fördern! Vielen Dank.