Pressemitteilung · Flensburg · 21.05.2026 Die dänische Minderheit muss auch an den Zukunftsinvestitionen Flensburgs teilhaben!

Wer Gleichstellung ernst meint, darf die Einrichtungen der Minderheit bei Zukunftsinvestitionen nicht vergessen.

Die Rede des stellvertretende Vorsitzenden der SSW-Ratsfraktion, Ratsherr Daniel Dürkop, zu:
 

Bericht zur Lage der dänischen Minderheit in Flensburg 2026 (RV-69/2026)

Es gilt das gesprochene Wort
 

Kære fru bypræsident, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste.

Der Minderheitenbericht zur Lage der dänischen Minderheit in Flensburg ist aus meiner Sicht ein sehr starkes Dokument. Er zeigt: Die dänische Minderheit ist keine Randerscheinung der Stadtgesellschaft, sondern ein selbstverständlicher, lebendiger und gestaltender Teil Flensburgs.
Wir sehen im Bericht eine breite institutionelle Stärke: Kindertagesstätten, Schulen, Jugendhäuser, Kulturangebote, Sportvereine, Bibliothek, Kirche, Gesundheitsdienst, Flensborg Avis – das alles zeigt, wie tief die dänische Minderheit in dieser Stadt verankert ist. Und es zeigt auch, dass diese Einrichtungen nicht nur für die Minderheit selbst wichtig sind, sondern für Flensburg insgesamt.
Flensburg kann bei der Gleichstellung der dänischen Minderheit mit Recht selbstbewusst sein. Gerade im Bereich Kinder, Jugend und Bildung hat die Stadt über viele Jahre Verantwortung übernommen. Auch im Kulturbereich hat sich in den letzten Jahren viel bewegt. Das ist gut – und es ist auch Ergebnis politischer Arbeit, nicht zuletzt durch Initiativen des SSW.
Ein weiterer positiver Punkt ist die Entwicklung der Sprachkompetenz in der Verwaltung. Dass inzwischen rund 16 Prozent der Beschäftigten in der Stadtverwaltung auf irgendeine Weise Dänisch können, ist ein Fortschritt. Genau diese Forderung haben wir schon beim letzten Minderheitenbericht erhoben. Insofern ist es erfreulich zu sehen, dass hier etwas in Bewegung gekommen ist.
Aber wir sollten uns damit nicht zufriedengeben. Die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen verpflichtet uns nicht nur dazu, Dänisch symbolisch sichtbar zu machen. Es geht darum, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Sprache auch tatsächlich im Kontakt mit der Verwaltung nutzen können. Deshalb brauchen wir weiter gezielte Sprachförderung, mehr sichere Sprachkompetenz und mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Dänisch nicht nur verstehen, sondern auch sprechen und schreiben können.
Bei aller berechtigten Anerkennung muss der Bericht aber auch Anlass sein, über die nächste Stufe der Gleichstellung zu sprechen. Und die liegt aus unserer Sicht ganz klar im Investitionsbereich.
Die dänischen Kitas und Schulen sind für Flensburg ein großer Gewinn – pädagogisch, kulturell, gesellschaftlich und nicht zuletzt auch finanziell. Die Stadt profitiert erheblich davon, dass die dänische Minderheit eigene Schulen und Einrichtungen trägt. Gleichzeitig ist die Investitionsförderung weiterhin sehr begrenzt. Für die Skoleforening stehen im Investitionsbereich lediglich 60.000 Euro zur Verfügung. Andere Organisationen erhalten oft erst dann Unterstützung, wenn ein konkretes Problem politisch auf die Tagesordnung gesetzt wird – wie etwa beim SdU-Freizeitheim im Junkerhohlweg.
Das ist nicht die Form von struktureller Gleichstellung, die wir langfristig brauchen.
Deshalb sagen wir sehr deutlich: Wenn Flensburg in den kommenden Jahren über 80 Millionen Euro aus dem Sondervermögen erhält, dann muss die dänische Minderheit daran einen fairen Anteil bekommen. Wer Gleichstellung ernst meint, darf die Einrichtungen der Minderheit bei Zukunftsinvestitionen nicht vergessen.
Das betrifft besonders den Schulbereich, aber auch Kitas, Kinder- und Jugendeinrichtungen, Kulturorte und Begegnungsräume. Gerade diese Orte tragen dazu bei, dass Flensburg als deutsch-dänische Stadt funktioniert.
Unser Fazit ist deshalb: Ja, wir können sehr zufrieden sein. Der Bericht zeigt eine positive Entwicklung, ein gutes Verhältnis zwischen Minderheit und Mehrheitsbevölkerung und eine starke Rolle Flensburgs in der deutsch-dänischen Zusammenarbeit.
Aber Zufriedenheit darf nicht bedeuten, dass wir stehen bleiben. Der nächste Schritt muss sein, die Gleichstellung auch bei Investitionen konsequent umzusetzen.
Flensburg ist eine Stadt der Minderheitenpolitik. Dann muss das auch sichtbar werden, wenn die großen Zukunftsmittel verteilt werden.

 

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