Rede · 16.06.2004 Programm „Fahrradfreundliches Schleswig-Holstein“

Anfang diesen Jahres haben wir hier im Landtag ausführlich den Berichtsantrag und Maßnahmenkatalog zur Förderung des Radverkehrs debattiert. Auch wenn wir den Antrag von rot-grün nicht in allen Punkten mittragen konnten, war uns die Intention klar: Fahrradfahren attraktiver zu machen. Dies haben wir auch unterstützt.

Doch die Debatte hat seinerzeit deutlich gemacht, dass es noch viele Lücken im Bereich der Fahrradverkehrs gibt, die es zu schließen gilt.

Heute liegt uns der Bericht der Landesregierung zum Programm "Fahrradfreund­liches Schleswig-Holstein" vor, in dem dargestellt wird, wie die Landesregierung bisher vorgegangen ist und wie sie gedenkt weiterhin vorzugehen, um das Fahrrad zu einem echten Verkehrsträger zu machen.

Hierbei möchte ich kurz auf den touristischen Aspekt eingehen. Der SSW hat bereits in früheren Debatten darauf hingewiesen, dass der Fahrradtourismus für Schleswig-Holstein zwar wichtig ist, es ist aber nicht die Hauptattraktion in unserem Land. Auch wenn immerhin 42% der Urlauberinnen und Urlauber heute das Fahrrad für ihr Urlaubsvergnügen nutzen, gibt es andere Gründe, warum die Menschen Urlaub in Schleswig-Holstein machen.

Das soll uns aber nicht davon abhalten, weiterhin attraktive Angebote für Fahrrad­touristen vorzuhalten. Soll heißen, wir müssen den Fahrradtouristen jegliche Art von Infrastruktur bieten. So macht der Bericht auch an mehreren Beispielen deutlich, was alles geleistet wird, um die Regionen in Schleswig-Holstein für diese Art Tourismus interessant zu machen. Vorrangig zu nennen ist hier das Radfernwege­netz mit einer Länge von insgesamt 1.529 Kilometern. So wird den Nutzern auf mehreren dieser Fernwegenetze ein kultureller und geschichtlicher Einblick in unser Land gegeben. Darüber hinaus wurden Magazine und Broschüren erarbeitet, die einen Überblick über Bahn&Bike sowie Bett&Bike-Angebote geben. Derartige Maßnahmen sind richtig und notwendig, um Schleswig-Holstein für Fahrradtouristen erlebbar zu machen. Dies findet auch die Unterstützung des SSW.

Jedoch möchte ich darauf hinweisen, dass das größte Problem im Zusammenhang mit dem Fahrradverkehr immer noch die geringe tägliche Nutzung ist. Denn das Fahrrad ist für den größten Teil der Bevölkerung immer noch ein Verkehrsmittel, das nur zum Brötchenholen aus der Garage geholt wird. Daher müssen hier noch Anstrengungen unternommen werden, um das Fahrradfahren insgesamt attraktiver zu machen.

Dem Bericht ist zu entnehmen, dass von Seiten der Landesregierung zwar Initiativen in Gang gesetzt wurden, um das Fahrrad aus der Freizeitecke heraus zu holen, aber er macht auch deutlich, dass diese Bemühungen derzeit noch nicht ausreichen. So gibt es insbesondere in den Ballungsräumen und Städten noch erhebliche Umsteigepotentiale vom PKW auf das Fahrrad, die gefördert werden müssen.

Wenn wir also erreichen wollen, dass das Fahrrad zu einem echten Verkehrsträger wird, muss auch für den täglichen Gebrauch die notwendige Infrastruktur vorgehalten werden. Das fängt mit den hohen Qualitätsanforderungen an die Fahrradwege an und erstreckt sich über das mangelhafte Angebot von ÖPNV und insbesondre SPNV für Fahrradfahrer. Im Zusammenhang mit dem SPNV haben wir immer wieder kritisiert, dass Bahn & Bike gerade während der Berufszeiten ausgesetzt wird und dass die Mitnahmebedingungen hier verbessert werden müssen. Derartige Verbesserungen sind nicht zum Nulltarif zu haben. Aber ich bin der Auffassung, dass hier weiterhin nach Lösungen gesucht werden müssen, um die Angebote zu verbessern.

Auch wenn wir dem Bericht entnehmen können, dass derzeit bereits auf vielen Ebenen Maßnahmen angestoßen wurden, um Fahrradfahren attraktiver zu machen, müssen wir aber auch feststellen, dass dies noch nicht ausreicht, um aus dem Fahrrad einen echten Verkehrsträger zu machen.

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