Rede · 07.05.2026 Qualität in der frühkindlichen Bildung sichern!

„Die aktuelle Entwicklung darf nicht dazu führen, dass die Landesregierung in Sachen Kita auf die Bremse tritt.“

Christian Dirschauer zu TOP 10+62 - Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Kindertagesförderungsgesetzes und Bericht über die aktuelle KiTa-Situation in Schleswig-Holstein (Drs. 20/4378 und 20/4138)

Wir reden heute über einen Bericht zur Kita-Situation und über eine Änderung des Kitagesetzes, die die Inhalte des Pakets „Kita für alle“ nachvollzieht. Beide Drucksachen sind für sich genommen wichtig und Beleg für eine Entwicklung, die uns vor weitere Herausforderungen im Kita-Bereich stellt. Denn derzeit führen sinkende Kinderzahlen bekanntlich zu ganz neuen Diskussionen. Und zwar über Leerstandskosten in den Kommunen und in manchen Fällen sogar über einen Fachkräfteüberhang. Vom Grundsatz her bewerten wir den Weg, für den sich die Landesregierung entschieden hat, positiv. Es ist absolut sinnvoll, freiwerdende Mittel im Kita-System zu belassen. Hier wiederhole ich mich gerne: Dieser Schritt ist richtig und noch dazu absolut notwendig. Denn jeder Euro, der im Landeshaushalt für Bildung vorgesehen war, muss auch in die Bildung fließen.

Ich habe allerdings schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass diese Entscheidung zwar positiv aber gleichzeitig auch nicht wirklich heldenhaft ist. Sie ist vielmehr eine logische Konsequenz. Denn wer die Qualität in der frühkindlichen Bildung sichern will, darf sinkende Kinderzahlen nicht zum Anlass für Einsparungen nehmen. Ganz im Gegenteil: Diese Möglichkeit sollte dringend genutzt werden, um endlich flächendeckend auf ein Niveau zu kommen, das dem Begriff „Bildungseinrichtung“ entspricht. Denn trotz einiger Uneinigkeit im Detail ist hoffentlich allen klar, dass wir mit Blick auf Qualität und Reichweite der frühkindlichen Bildung noch Luft nach oben haben. Und da kann es sicher nicht schaden, wenn Schleswig-Holstein mehr Geld pro Kitakind in die Hand nimmt.

Noch einmal: Die aktuelle Entwicklung darf nicht dazu führen, dass die Landesregierung in Sachen Kita auf die Bremse tritt. Nach Jahren, in denen vor allem die Kapazitäten beziehungsweise Platzzahlen erweitert wurden, muss der Fokus nun klar auf der qualitativen Weiterentwicklung liegen. Das bedeutet ganz konkret: Freiwerdende Kapazitäten sollten gezielt für eine bessere Förderung, mehr Teilhabe und eine stärker am Sozialraum orientierte Arbeit genutzt werden. Noch dazu muss die Inklusion und die Fachkräftebasis in der frühkindlichen Bildung strukturell gestärkt werden. Denn frühkindliche Bildung, Bindung und Erziehung braucht konstante, gut ausgebildete professionelle Fachkräfte. Es muss gezielt in die Personalentwicklung für die und in den Kitas investiert werden.

Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass die frühkindliche Bildung noch längst nicht alle Kinder erreicht. Hier denke ich insbesondere an Kinder aus bildungsfernen Familien und Familien mit Migrationsgeschichte, die nachweislich massiv vom Kitabesuch profitieren. Mit dem geplanten Ausbau der Perspektiv-Kitas sind wir auch mit Blick auf diese Familien auf dem richtigen Weg. Keine Frage: Wir brauchen diese personellen Verstärkungen in sozial herausgeforderten Gebieten. Aber wir sehen das Instrument Perspektiv-Kita in der geplanten Ausgestaltung nicht als Allheilmittel, sondern als Startpunkt. Und zwar als Startpunkt für eine dauerhafte, bedarfsorientierte Finanzierung, die sich an der sozialen Realität vor Ort ausrichtet, statt an starren Budgets.

Dass dieses Konzept der „KiTa für Alle“ auch wirklich alle Einrichtungen und Träger eischließen muss, dürfte eigentlich selbstverständlich sein. Und doch ist mir der Hinweis wichtig, dass auch ganz explizit die dänischen Einrichtungen teilhaben müssen. Gleiches muss im Übrigen auch für das Instrument der Kompetenzteams Inklusion gelten. Eine Situation, in der die Kitas der dänischen Minderheit bei Förderprogrammen oder bei personellen Aufstockungen nur in zweiter Reihe stehen oder sogar vergessen werden, ist völlig inakzeptabel. Und zwar nicht nur, weil es ein Bruch unseres partnerschaftlichen Miteinanders im Land wäre. Sondern schlicht und einfach auch, weil viele Einrichtungen der Minderheit vor den gleichen Herausforderungen stehen, wie Kitas der Mehrheitsbevölkerung. Und zwar ausdrücklich sowohl mit Blick auf sozial herausgeforderte Gebiete wie für Kinder mit Behinderungen. Diesen Fakt darf man auch im Rahmen der Weiterentwicklung des Kitasystems nicht vergessen.

 

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