Rede · 15.11.2001 Wellness- und Gesundheitstourismus

Die Bedeutung des Themas Gesundheit für das Land Schleswig-Holstein ist klar. Wir haben wichtige Unternehmen der Branche in Lande, wir haben Hochschulen mit Schwerpunkten in diesem Bereich und wir haben gesunde Lebensbedingungen. Darüber hinaus gibt es erste Ansätze der grenzüber­schreitenden Zusammenarbeit mit Dänemark und Norwegen. Nicht ohne Grund hat die Minister­präsidentin das Thema Gesundheit auch als Leuchtturm für die Zukunft des Landes gewählt.

Mit ihrem Berichtsantrag hat die CDU jetzt nach einem besonderen Bereich dieses Komplexes Gesund­­heit und Schleswig-Holstein gefragt: dem Tourismus mit Wellness- und Gesundheits­ange­boten. Die CDU fragt gezielt nach den tourismus-relevanten Aspekten, aber hier fällt die Antwort der Landes­regierung leider etwas dünn aus. Im Bericht wird von der breitest möglichen Definition des Begriffs Tourismus ausgegangen. Entsprechend geht er auf viele Bereiche ein, die zwar mittelbar den Tourismus im weitesten Sinne beeinflussen können, aber doch eher allgemeine gesundheitspolitische Maßnahmen darstellen. Diese Maßnahmen werden selbst­verständ­lich auch von uns begrüßt, aber ich lege den Begriff Tourismus schon etwas enger aus. Deshalb werde ich auch heute nur auf das eingehen, was Reisebewegungen betrifft.

Ich glaube, dass der Wellnessbereich eher zu den weichen Standortfaktoren gehört, der gerne mitgebucht wird, der aber bei weitem nicht ein alleiniges oder doch zumindest ausschlaggebendes Buchungskriterium für einen Touristen darstellt. Ähnliches gilt für den Gesundheitsbereich, wenn man einmal von Krankenhauspatienten absieht. Das heißt nicht, dass der gesamte Bereich Gesundheit uninteressant ist. Aber es ist wichtig zu wissen, dass es im Tourismus andere ausschlag­gebende Faktoren gibt, die in Ihrer Bedeutung den Wellness- und Gesundheits­bereich weit übertreffen.

Im Rahmen des Projekts „Gesundheits- und Wellness-Tourismus in Urlaubsorten“ soll ein flexibles Baukastensystem für den Urlaub entwickelt werden. Durch ein solches System wären Leistungen vergleichbar und auch auf andere Orte übertragbar. So würde man die Chance erhalten, ein flächen­deckendes Angebot aufzubauen. Das ist der richtige Weg! Dem Gast ist es oft schon längst egal an welchen Ort er konkret untergebracht wird, wenn bloß die Leistung stimmt. Wenn wir es schaffen, dass die Leistung überall gleich definiert wird, haben wir die Grundlage für eine breitere Vermarktung dieses Marktsegments.

In der Vergangenheit hatte das Land Schleswig-Holstein gerade hier seine Probleme, da es zwar zentral buchbare Angebote gab, diese aber kaum miteinander vergleichbar und kompatibel waren. Würde man dieses Problem lösen, hätten wir einen wichtigen Schritt voran getan. Dass man bei der Problemlösung sehr eng mit Westerland und St. Peter-Ording zusammenarbeitet und dortige Initia­tiven fördern will, wird von uns ausdrücklich begrüßt.

Voraussetzung, dass eine Vermarktung allerdings funktioniert, ist immer noch, dass wir entsprechende Buchungsmöglichkeiten flächendeckend bieten. Eine zentrale Buchungsstelle, die eng mit den Akteu­ren vor Ort zusammenarbeitet, ist die Voraussetzung. Eine weitere Möglichkeit bestünde in der Über­nahme von festen Kontingenten durch die TASH oder auch in der Zusammenarbeit mit einem oder mehreren großen touristischen Anbietern. Welcher Weg hier letztendlich gegangen werden soll, verrät uns der Bericht leider nicht.

Dafür lesen wir um so mehr über das Projekt „Modellregion Natürlich Leben“. Die Ziele: ökologisch ausgerichtete Gesundheitsvorsorge, gesundheitlich-orientierter Tourismus, Ernährung und Förderung der „weichen Standortfaktoren“ hören sich alle nett an. Aber das, was in diesem Leitprojekt beschrieben wird, kennen wir alles schon und haben wir auch alles schon.

Alles in allem enthält der Bericht recht wenig Greifbares aus dem Bereich Tourismus. Wir zweifeln nicht daran, dass das Thema Gesundheit ein wichtiger Baustein für die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes ist. Es ist aber immer noch nicht deutlich geworden, mit welchem Konzept man im Wellness- und Gesundheitstourismus eine goldene Zukunft sieht.

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