Rede · 20.06.2024 Bei Krankenhausreform in größeren Strukturen denken

„Viele Jahre gab es in Flensburg eine gut funktionierende Zusammenarbeit mit der Region Syddanmark, insbesondere im Bereich der Strahlentherapie. Auch hier gibt es Potentiale, die man bei der Krankenhausplanung mitdenken sollte. Nicht nur für die dänischen Patienten, sondern auch für die aus Schleswig-Holstein.“

Christian Dirschauer zu TOP 11 - Versorgung sichern – gemeinsame Krankenhausplanung mit Hamburg auf den Weg bringen (Drs. 20/2135)
 
Die Krankenhauslandschaft in Schleswig-Holstein steht vor großen Herausforderungen. Das wissen wir nicht erst seit gestern, aber das wird vor dem Hintergrund der vom Bund geplanten Krankenhausreform nochmal mehr als deutlich. Ohne Frage brauchen wir eine Krankenhausreform, die Fehlanreize für die Kliniken abschafft und das Vorhalten notwendiger Leistungen, auch derjenigen, mit denen sich nicht viel Geld verdienen lässt, sicherstellt. Wir sehen aber auch, dass die geplante Reform ein Flächenland wie Schleswig-Holstein vor große Herausforderungen stellt. Denn auch wenn auf der einen Seite eine Spezialisierung nötig ist, um eine gute Behandlungsqualität zu sichern, braucht es dennoch Krankenhäuser in der Fläche, die eine wohnortnahe Versorgung sicherstellen können. Das ist ein Spagat, da kleine Standorte weniger spezialisierte Leistungen anbieten können und oft auch im Werben um qualifizierte Fachkräfte unterlegen sind. Und trotzdem können wir den Menschen keine uneingeschränkt weiten Wege zum nächsten Krankenhaus zumuten. Vor allem in der Geburtshilfe haben wir das bereits hinlänglich diskutiert, aber auch in anderen Bereichen spielt das eine Rolle. 
 
Das macht deutlich, dass wir Krankenhausplanung künftig größer und strategischer denken müssen. Und gemeinsam mit unseren Nachbarn. Vor allem im Hamburger Umland haben die Patienten uns das längst eigenständig abgenommen, indem sie sich für eine Behandlung in einem Hamburger Krankenhaus entscheiden. Ca. 35 Prozent der Patienten in Hamburger Krankenhäusern haben ihren Wohnsitz außerhalb Hamburgs, 20 Prozent in Schleswig-Holstein. Nicht umsonst hat die Hamburger Gesundheitssenatorin kürzlich gefordert, dass Schleswig-Holstein und Niedersachsen sich in Hamburg an den Krankenhaus-Investitionskosten beteiligen sollten, weil sie dadurch eigene Strukturen einsparen. 
 
Als seinerzeit die RegioKlinik in Wedel schloss, hat man in Hamburg in der Asklepios Klinik Nord 140 neue Betten geschaffen. Und auch im Bereich der Geburtshilfe wissen wir, dass es entsprechende Wanderungstendenzen nach Hamburg gibt. Auch wenn es hier schon lange einen Austausch auf ministerieller Ebene gibt, sollte dies perspektivisch im Rahmen der Fortschreibungen der Krankenhausplanungen fest institutionalisiert werden. Die anstehende Klinikreform ist eine einmalige Chance, bestehende Strukturen aufzubrechen und eine engere Kooperation einzugehen. Nur gemeinsam können stärker spezialisierte Klinikstandorte vernünftig geplant werden. Denn eine Spezialisierung, die in Hamburg-Nord vorgehalten wird, brauchen wir nicht in Pinneberg, umgekehrt müssen die Hamburger aber auch in Rahlstedt nicht den gleichen Klinikschwerpunkt planen, wie wir ihn in Reinbek vorhalten. Es ist längst überfällig, dass wir diese Strukturen gemeinsam denken. Interessant wäre dabei natürlich die Frage, in welchem Umfang schon heute Patienten aus Hamburg im schleswig-holsteinischen Umland behandelt werden. 
 
Auch im Norden Schleswig-Holsteins lohnt der Blick über die Grenze. Wo wir in Flensburg sechs Wochen auf einen MRT-Termin warten, sogar in der Klinik, gibt es den in Kollund innerhalb weniger Tage. Viele Jahre gab es in Flensburg eine gut funktionierende Zusammenarbeit mit der Region Syddanmark, insbesondere im Bereich der Strahlentherapie. Auch hier gibt es Potentiale, die man bei der Krankenhausplanung mitdenken sollte. Nicht nur für die dänischen Patienten, sondern auch für die aus Schleswig-Holstein. Soll die Krankenhausreform zum Wohle der Patienten gelingen, müssen wir in größeren Strukturen denken als bisher, für Kleinstaaterei ist da kein Platz. Sonst haben wir am Ende nur ein Reförmchen, bei dem jedes Bundesland seine eigene Suppe kocht. Und das wäre fatal für die Patienten und für unsere Kliniken. Also lassen Sie uns die einmalige Gelegenheit beim Schopfe packen und die Krankenhauslandschaft gemeinsam mit unseren Hamburger Nachbarn neu denken!

Weitere Artikel

Pressemitteilung · 11.07.2024 Ein bitterer Tag für die Minderheitensprachen

In einem Änderungsantrag zum neuen Hochschulgesetz (20/1526) hat sich der SSW für eine Sonderregelung bei der Besetzung von Professuren in Regional- und Minderheitensprachen eingesetzt. Dieser wurde heute im Bildungsausschuss abgelehnt. Dazu erklärt der Fraktionsvorsitzende der SSW-Landtagsfraktion, Lars Harms:

Weiterlesen

Rede · 19.07.2024 Pädagogische Arbeit in unseren Kitas sichern

„Trotz Vorschaltgesetz bleiben Unsicherheiten und Herausforderungen“

Weiterlesen

Rede · 19.07.2024 Verfassungsschutzbericht 2023: Die größte Gefahr geht vom Rechtsextremismus aus

„Auf Worte folgen Taten. Sprache ist wichtig. Es geht um Framing, um Deutungshoheit und Themensetzen sowie letztlich auch um Beeinflussung. Die Mitte der Gesellschaft wird zunehmend empfänglich für extremistische und demokratiefeindliche Positionen.“

Weiterlesen