Rede · 19.06.2026 Rede zu Protokoll gegeben: Belohnungsstempel reichen hier nicht aus

„Die Bildungsstrukturen sind am Limit ihrer Belastbarkeit, wenn wir hier noch mehr Engagement einfordern, dann muss auch die Bereitschaft da sein mehr finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung zu stellen.“

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 35 - Evaluation und Fortschreibung der Landesstrategie „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (Drs 20/4400)

Es ist jetzt fünf Jahre her, dass wir die Landesstrategie „ Bildung für nachhaltige Entwicklung“ verabschiedet haben. Seitdem haben sich in einer Zeit, die von globalen Krisen geprägt ist, einige Prioritäten verschoben. Obwohl nachhaltiges Handeln gerade jetzt unglaublich wichtig und unerlässlich für unseren Planeten und unser Ökosystem ist, so haben wir in unserer globalen Alltagsrealität mit komplexen Herausforderungen zu kämpfen, die dazu führen, dass das Thema Nachhaltigkeit immer öfter in den Hintergrund gedrängt wird.
Deshalb bin ich froh, dass wir das Thema heute auf die Tagesordnung gesetzt haben und es wieder präsenter werden lassen. Fünf Jahre sind ein guter Zeitraum, um Bilanz zu ziehen und zu schauen, was gut funktioniert und wo wir noch nachbessern müssen.
Dass sich das Bewusstsein für Nachhaltigkeit nicht von „jetzt auf gleich“ entwickelt und daher die Bildung für nachhaltige Entwicklung der zentrale Bereich zur Vermittlung von Nachhaltigkeit sein muss, haben wir bereits 2021 erkannt. Bildung ist der entscheidende Schlüssel. 
Das gilt besonders für den schulischen Bereich. An vielen Schulen in Schleswig-Holstein sehen wir ein hohes Engagement und großartigen Projekte und Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit. 
Aber heute wie auch schon 2021 geht es nicht nur um den schulischen Bereich.
Die Landesstrategie umfasst das Gesamtpaket angefangen bei frühkindlicher Bildung, die 
allgemeine Schulbildung, die berufliche Bildung, die Hochschulbildung und auch die berufliche Weiterbildung. So zieht sich der Nachhaltigkeitsgedanke durch die verschiedenen Handlungsfelder und steht am Ende für ein lebenslanges Lernen. Darum sollte es für uns als SSW vorrangig bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung gehen. Nachhaltiges und ressourcenschonendes Handeln beschränkt sich allerdings nicht auf einzelne Situation oder Bereiche, sondern lassen sich von uns allen in unserem alltäglichen Handeln anwenden.
Eine Evaluierung der Landesstrategie ist sinnvoll, damit wir wissen, wo wir heute 
stehen. Es ist wichtig, dass die, die sich auf den Weg Richtung Nachhaltigkeit gemacht haben, sichtbar gemacht werden und angemessene Wertschätzung bekommen. 
Im Antrag wird darum gebeten, dass die Landesstrategie „BNE“ evaluiert wird und das auf Basis der Ergebnisse zu prüfen ist, wie diese im Rahmen der vorhandenen Strukturen und Ressourcen weiter entwickelt werden kann.
Ich befürchte allerdings, dass im aktuellen Rahmen der verfügbaren Ressourcen nicht mehr rauszuholen sein wird. Denn wie ich am Anfang meiner Rede bereits sagte - ob in dem Betrieben, an den Schulen oder in privaten Haushalten, nachhaltiges Handeln ist oft eine von vielen Herausforderungen im Alltag. Die Bildungsstrukturen sind am Limit ihrer Belastbarkeit, wenn wir hier noch mehr Engagement einfordern, dann muss auch die Bereitschaft da sein mehr finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Nur mit dem Belohnungstempel kommen und zertifizieren reicht hier nicht aus.
Abschließend kann man sagen, dass man diesem Moderat formulierten Antrag der Koalition nichts entgegensetzen kann. Wichtig ist einfach, dass die Evaluation der Landesstrategie dazu führt, dass Strukturen nicht zusätzlich belastet, sondern effektiver werden und das an den richtigen Stellen Ressourcen nachgeschoben werden können.
Denn wir alle wissen, wie wichtig es für unsere und für die Zukunft unserer Kinder ist, dass wir nachhaltiger Leben und Handeln.

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