Rede · 21.06.2024 Bestmögliche Strukturen für Medizinstudierende schaffen

„Spätestens wenn man seine Eltern, seine Kinder, seine Freunde oder sich selbst in ärztliche Behandlung gibt, wünscht man sich, dass der Arzt oder die Ärztin eine gute, fundierte Ausbildung erhalten hat und mit der erlernten fachlichen Kompetenz für unser körperliches Wohlergehen sorgt.“

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 26 - Die Bedingungen für Medizin im Praktischen Jahr verbessern, Für ein faires Praktisches Jahr im Medizinstudium, Reform des Praktischen Jahres im Medizinstudium (Drs. 20/2077, Drs. 20/1588,  Drs. 20/1608, Drs.20/1614)

Wenn ich ins Krankenhaus muss, weil es mir schlecht geht, wenn meine Kinder, meine Eltern oder Freunde ärztlich behandelt werden müssen, dann wünsche ich mir - einer Person gegenüberzustehen, die genau weiß, was sie tut.
Als Patient wünsche ich mir Sicherheit durch die hohe Fachkompetenz der behandelnden Ärztin oder des Arztes. Deshalb ist ein Medizinstudium auch lang und intensiv.
Besonders das Praktische Jahr am Ende des Studiums, sollte den Studierenden ermöglichen das Erlernte in die Praxis umzusetzen und durch den praktischen Alltag ihre Fachkompetenzen in den verschiedenen Disziplinen zu erweitern und zu verfestigen. In der Realität ermöglicht der Alltag im PJ dies scheinbar nur unzureichend.
Eine Assistenzärztin berichtet, dass sie in einem PJ Abschnitt in einer großen Klinik, die eine Hälfte des Tages mit Blutabnahmen beschäftigt war und die andere Hälfte Arztbriefe getippt hat. Es gab weder eine Vergütung noch eine kostenlose Mahlzeit.
Heute als Assistenzärztin, passiert es ihr häufiger, dass sie in Situationen kommt, in denen sie aufgrund von Personalmangel, Behandlung durchführen muss, die sie noch nie vorher gemacht oder gesehen hat und nur aus der Theorie kennt.
Das ist purer Stress und sie hätte sich gewünscht im PJ mehr Zeit gehabt zu haben, um den Ärzten über die Schulter zu schauen und die verschiedensten Behandlungsmethoden im sicheren Rahmen zu erlernen und auszuprobieren.
Deshalb ist dieser Antrag so wichtig, damit das praktische Jahr wieder zu einem entscheidenden Baustein der medizinischen Ausbildung wird. Das PJ muss angemessen vergütet werden. Es darf nicht noch ein Nebenjob belastend on top kommen, beziehungsweise darf es nicht dazu kommen, dass nur extern finanzierte Studierende sich ein PJ leisten können. Eine vergünstigte Mahlzeit innerhalb der Klinik wäre immerhin eine kleine  Wertschätzung der Leistung der Studierenden. Aber das Wichtigste sollte die Zeit und die Bereitschaft des Fachpersonals sein, die Studierenden anzuleiten und zu betreuen, so wie es eigentlich in der Approbationverordnung vorgesehen ist. Auch die Regelung, dass die Krankentage nicht auf die Fehltage angerechnet werden, sollte selbstverständlich in einer neuen Verordnung geregelt werden. Die erlaubten Fehltage benötigen die Studierenden als Lernzeit, um den fachlichen Ansprüchen gerecht zu werden. Wir haben ein deutlichen Fachkräftemangel in der Medizin, und wir müssen dafür sorgen, dass die die sich für ein Medizinstudium entscheiden Rahmenbedingungen vorfinden, in denen sie finanziell einigermaßen abgesichert sind und fachlich gut auf die Herausforderungen im Klinik Alltag vorbereitet werden. Dabei müssen wir auch auf die Chancengleichheit und Gleichberechtigung schauen. Wenn Studium und Familiengründung in die gleiche Lebensphase fallen, dann wird es für einige junge Familien bestimmt eine große finanzielle und organisatorische Herausforderung,  das PJ und Familie unter einen Hut zu bekommen. 
Selbst Studierende, die das Studium abschließen und dann erst als Fachärzte in die Elternzeit gehen und dort auch länger bleiben, weil Beruf und Familie im Klinik Alltag nur schwer vereinbar sind, stehen dem Gesundheitssystem dann eben nicht zur Verfügung.
Die Kliniken müssen familienfreundliche Strukturen schaffen, um alle kompetenten Fachkräfte zu erhalten. Denn wie ich schon eingangs sagte, spätestens wenn man seine Eltern, seine Kinder, seine Freunde oder sich selbst in ärztliche Behandlung gibt, wünscht man sich, dass der Arzt oder die Ärztin eine gute, fundierte Ausbildung erhalten hat und mit der erlernten fachlichen Kompetenz für unser körperliches Wohlergehen sorgt.
 

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