Rede · 25.03.2022 Die maritime Wirtschaft hat eine Schlüsselrolle in unserem Land

„Wenn wir über einen Neustart in der Branche sprechen, dann muss insbesondere die Innovation und Weiterentwicklung in Umwelt- und Klimaschutz im Fokus stehen. Und damit sind wir bei den vorliegenden Anträgen.“

Christian Dirschauer zu TOP 24 - Innovationspreis für die maritime Wirtschaft (Drs. 19/3646 + 19/3655)

Die maritime Wirtschaft mit ihren vor- und nachgelagerten Bereichen ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in Schleswig-Holstein. Das ist unbestritten und der Landtag hat sich auch immer dazu bekannt. Aber auch die maritime Wirtschaft hat unter den Auswirkungen der Coronakrise gelitten. Die geringen Auftragseingänge und die Marktentwicklung bereiten weiterhin Sorgen. Das Instrument der Kurzarbeit wurde auch auf den Werften genutzt, um die Werftbeschäftigten größtenteils zu halten, trotz fehlender Aufträge. Nichtsdestotrotz hat es auch einen Stellenabbau bei den Werftbeschäftigten in den letzten zwei Jahren gegeben und die Prognose ist weiter bisher rückgängig. Ebenso verzeichnen wir einen Rückgang bei den Ausbildungsplätzen und das trotz eines zunehmenden Fachkräftemangels. Wenn wir uns dann noch die Altersstruktur der Beschäftigten ansehen, stellen wir auch hier fest, dass der Anteil der Älteren wächst und wir eine demografische Herausforderung haben. Der Rückgang der Ausbildungsplätze und eine steigende Zahl älterer Beschäftigter, stimmen zunächst bedenklich. 
Dass aber nicht alle Werften um ihre Auftragslage bangen müssen zeigt Thyssenkrupp Marine Systems, die aktuell für die deutsche und norwegische Marine U-Boote bauen im Gesamtwert von rund 5,5 Milliarden Euro sowie drei weitere U-Boote für Israel. Damit sind die Auftragsbücher bis Mitte der 2030’er Jahre voll. Das zeigt deutlich, wie wichtig es war, den Marineschiffbau als deutsche Schlüsseltechnologie zu definieren. Noch im letzten Monat gab es die Ungewissheit, wie TKMS sich weiter aufstellen wird und welche Buchstaben künftig am Portalkran über dem Werftgelände zu sehen sein würden. Aus meiner Sicht waren diese Überlegungen nicht nachvollziehbar, denn die Auftragsbücher sind gut gefüllt und die Beschäftigten hatten eine Garantie bis 2029. Doch mittlerweile gestaltet sich die Lage komplett anders. Das in Aussicht gestellte Sondervermögen für Militärausgaben wird höchstwahrscheinlich zusätzliche Aufträge auch für TKMS generieren. Für die Kieler Werft bedeutet das, dass sie jetzt auf der Suche nach weiteren Kapazitäten ist und die MV-Werft steht hierbei hoch im Kurs. Ein solcher neuer Verbund, würde nicht nur die Kieler Region stärken, es wäre gut für den gesamten norddeutschen Werftenstandort.
Wie gesagt, wir reden zum einen über Schlüsseltechnologie, aber auch sonst zeichnen sich unsere Werften sowie ihre Zuliefererbetriebe durch Forschung, Innovation und Technik aus. Und genau dort liegen die Chancen, wenn es um die Weiterentwicklung der maritimen Wirtschaft hier bei uns im Land geht. Wenn wir über einen Neustart in der Branche sprechen, dann muss insbesondere die Innovation und Weiterentwicklung in Umwelt- und Klimaschutz im Fokus stehen. Und damit sind wir bei den vorliegenden Anträgen. In diese Richtung wollen auch Jamaika und die SPD. Ein Innovationspreis soll für maritime Unternehmen ausgelobt werden, die nachhaltig, ressourcenschonend und umweltverträglich in ihre Produkte investieren. 
Auch wenn ein Innovationspreis die Auftragsbücher nicht füllt oder einen Arbeitsplatz sichert, so ist es ein Zeichen und die Anerkennung dafür, dass Unternehmen auf Forschung und Innovation in zukunftsträchtige und nachhaltige Technologien setzen. Und genau mit diesem Knowhow werden mittel- bis langfristig die Auftragsbücher gefüllt und Arbeitsplätze hier gesichert. Da wollen wir hin.
In diesem Sinne liegen die beiden Anträge auch nicht auseinander. 
Der Alternativantrag der SPD geht aber darüber hinaus. Zusätzlich einen maritimen Gipfel einzuberufen, halte ich angesichts der zurückliegenden aber immer noch anhaltenden Krise für sinnhaft. Wir kommen nur gemeinsam aus der Krise raus und dafür brauchen wir den Dialog. Wie soll sich die maritime Wirtschaft für die Zukunft strategisch ausrichten – technologisch, ressourcenschonend und nachhaltig das ist klar. Es geht aber auch, wie im Antrag beschrieben, um Arbeitsplätze und Fachkräfte – das Beispiel der sinkenden Ausbildungszahlen und eine älter werdende Belegschaft auf den Werften, hatte ich eingangs genannt. 
Fachkräftemangel verzeichnen wir aber auch anderswo. Wir sehen den SPD-Antrag als zielführender an, weil er mit der Forderung nach einem maritimen Gipfel umfassender ist. Wenn also auch der Aspekt der Ausbildung eine Rolle bei solch einem Gipfel spielen soll, und dass soll sie unseres Erachtens, dann gehören auch unsere entsprechenden Lehr- und Ausbildungsstandorte dazu. Ich möchte dabei auf das Maritime Forschungs- und Ausbildungszentrum an der Hochschule in Flensburg hinweisen, wo nicht nur die Seefahrer und Schiffstechniker von morgen ausgebildet werden, sondern auch innovativ geforscht wird.

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