Rede · 18.03.2026 Grenzregion zu einem starken gemeinsamen Wirtschaftsraum machen
Schleswig-Holstein agiert in unserer Grenzregion noch immer unter seinen Möglichkeiten. Unser Antrag ist als Impuls und Angebot gedacht für einen klaren Fahrplan, um unsere Grenzregion endlich zu dem starken, gemeinsamen Wirtschaftsraum zu machen, der sie sein kann.
Sybilla Nitsch zu TOP 29 – Deutsch-Dänische Grenzregion: Impulse für einen erfolgreichen gemeinsamen Ansiedlungs- und Wirtschaftsraum (Drs. 20/4207)
Wenn wir heute über die deutsch-dänische Grenzregion sprechen, dann sprechen wir über einen zusammenhängenden geografischen Raum. Doch schauen wir auf die wirtschaftliche Realität, auf Genehmigungsverfahren und Arbeitsmarktzugänge, dann spüren wir an der Grenzlinie weiter eine unsichtbare, aber mächtige Trennwand.
Schleswig-Holstein liegt geografisch privilegiert – wir sind das Bindeglied zu einem wirtschaftlich boomenden Dänemark, das uns bei Exportzahlen und Innovationskraft einiges voraushat. Wir sollten dieses Potenzial nicht nur als Nachbarn bewundern, sondern als Partner endlich voll ausschöpfen.
Bislang basiert fast alles, was die Landesregierung in der Grenzregion tut, auf Freiwilligkeit; die zwar gut gemeint ist, aber in der Praxis an ihre Grenzen stößt. Als SSW sagen wir: Da geht mehr!
Es reicht nicht aus, sich bei Grenzlandtreffen auf die Schultern zu klopfen. Wir brauchen mehr Strategie und mehr Verbindlichkeit. Unser Antrag ist deshalb ein konstruktives Allround-Paket, um endlich vom „Zuschauen“ in das „Mitgestalten“ zu wechseln.
Ein Kernpunkt unseres Antrages sind „Potenzialcluster“. Denn unser Hauptproblem ist nicht der Mangel an Ideen, sondern das Umsetzungsdefizit. Wir haben ein Füllhorn an Strategien, von den „nordwärts“-Studien bis zum „Cross Border Panel“, doch wir müssen dieses Wissen nun in Handeln übersetzen. Folgen wir den Empfehlungen des IfW und bündeln unsere Stärken, beispielsweise im Maschinenbau und in der Energiebranche: Wenn ein Windkraft-Zulieferer in Flensburg und ein Entwickler in Sønderborg an ähnlichen Komponenten arbeiten, aber nichts voneinander wissen, weil die Vernetzung an der Grenze endet, dann verschwenden wir Ressourcen. Wir müssen Lieferketten, soweit möglich, regional schließen. Das stärkt unsere gemeinsame Wirtschaftskraft und schafft Resilienz gegen globale Krisen.
Dafür brauchen wir jedoch schlagkräftige Strukturen, die wir zurzeit nicht haben. Obwohl ein „dänischer Minister“ dem Wirtschaftsministerium vorsteht, warten wir noch immer auf konkrete Ansiedlungserfolge, die über den Zufall hinausgehen. Ja, wir haben jetzt einen „Dänemark-Koordinator“ bei der WTSH – das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber Hand aufs Herz: Bislang wird hier primär klassische Netzwerkarbeit geleistet. Das reicht nicht aus, um echte Ansiedlungserfolge zu erzielen. Wir brauchen eine personell schlagkräftige Anlaufstelle. Bisher kämpft sich ein dänischer Mittelständler mühsam durch den Dschungel unserer Verwaltungsverfahren. Das zeigt: Wir müssen den Weg insgesamt einfacher gestalten. Wir brauchen einen One-Stop-Shop: Ein Büro, ein Ansprechpartner, alle Formulare für beide Länder – von der Steuernummer bis zum Brandschutz. Und dieser sollte gern an den „Potenzialclustern“ ausgerichtet sein, um hier entsprechende Wirtschaftskraft zu bündeln und auszubauen. Das spricht dann auch die Unternehmerkreise an.
Dies gilt auch für unseren Arbeitsmarkt. Es ist doch absurd, dass wir einerseits über eklatanten Fachkräftemangel klagen, andererseits aber Experten aus dem direkten Nachbarland monatelang in Warteschleifen parken. Darauf haben logischerweise auch interessierte Unternehmen keine Lust. Ob beispielsweise in der IT-Branche oder in technischen Berufen: Angeglichene Curricula und die unbürokratische Anerkennung von Abschlüssen könnten die Lösung sein. Womöglich könnten wir ein „Grenzland-Zertifikat“ schaffen, das Abschlüsse pauschal gleichstellt. Dies wäre ein starkes Signal für unseren gemeinsamen Arbeitsmarkt.
Ein weiterer massiver Knackpunkt bleibt die Infrastruktur. Die A7 ist unsere Lebensader, aber sie ist verstopft. Und klar, die Fehmarnbelt-Querung wird die geografischen Karten neu mischen, aber wir dürfen die Westküste und das Binnenland dabei nicht aus den Augen verlieren. Wir brauchen daher mehr als nur Absichtserklärungen für den Jütlandkorridor.
Wir müssen Flensburg-Weiche als modernen Fernbahnhof-Hub reaktivieren und den RE7 möglichst bis tief nach Dänemark hinein verlängern und zudem den Takt verdichten. Auch die Ost-West-Anbindung muss ertüchtigt werden, damit Logistikströme nicht im Stau stehen. Gerade für die Logistik braucht es eine moderne Anbindung über die Grenze hinweg; da sollte meines Erachtens der Blick auf alle Verkehrsträger gehen. Die Güterströme müssen unkompliziert über die Grenze kommen können.
Unser Antrag ist als Impulsgeber gedacht. Wir wollen weg von der unverbindlichen Freiwilligkeit und hin zu einem klaren Fahrplan. Lassen Sie uns gemeinsam verbindlicher werden und die Region zu dem starken Ansiedlungs- und Wirtschaftsraum ausbauen, der sie sein könnte!