Rede · 11.11.2004 Offene Ganztagsschulen in Schleswig-Holstein

Der vorliegende Bericht stellt eine Momentaufnahme in der Entwicklung Offener Ganztags­schulen in Schleswig-Holstein dar. Mehr kann er aus guten Gründen auch nicht leisten, da die Einrichtung Offener Ganztagsschulen erst nach 2002 in Gang kam. – Die Richtlinie zur Förderung von Ganztagsangeboten an Schulen trat am 5. Februar 2002 in Kraft.

Heute gibt es 157 Schulen in Schleswig-Holstein, die nach den Kriterien der KMK Ganztagsschulen sind. Dabei steht außer Zweifel, dass das Investitionsprogramm des Bundes „Zukunft Bildung und Betreuung“ dieser Entwicklung ab 2003 einen kräftigen Schub verschaffte. Dabei ist es erfreulich, dass auch Schulen der dänischen Minderheit bei der Zuteilung von Mitteln Berücksichtigung gefunden haben – unsere beiden neuen Gesamtschulen in Leck und Husum, nämlich. Das ist aus minderheitenpolitischer Sicht ein ganz wichtiger Schritt, weil er dem dänischen Schulverein eine Schulentwicklung ermöglicht, die mit der Etablierung kleiner Gesamt- und Ganztagsschulen auch den Druck auf die weiterführenden Schulen besser verteilt, was auch aus Kostengründen – wegen der hohen Schülerbeförderungskosten – ganz wichtig ist. Unser Ziel ist, dass die Schulen der dänischen Minderheit künftig auch über das Landesprogramm zur Förderung von Ganztagsangeboten unterstützt werden können.

Grundsätzlich gilt, dass es in der Regel zu Überlegungen in Richtung Ganztagsschule kommt, wenn bauliche Maßnahmen an der Schule vor Ort durchgeführt werden sollen. Dieser eher pragmatische Einstieg in die Weiterentwicklung einer Schule in eine Offene Ganztagsschule ist aus unserer Sicht nachvollziehbar. Das Positive daran ist, dass sich die Kommunen als Schulträger dann vielleicht erstmals mit der Verknüpfung von kommunalen Maßnahmen der Jugendhilfe und schulischen Bildungsangeboten einerseits mit dem kulturellen Leben in einer Gemeinde andererseits zu befassen haben. Diesen Ansatz begrüßen wir ausdrücklich, weil Schulen aus Sicht des SSW immer auch Kulturzentren sein sollten. Wenn also die Genehmigung einer Schule als Offene Ganztagsschule dazu führt, dass solche Barrieren abgebaut werden, dann zahlt sich diese Entwicklung für die Kommunen wirklich aus.

Der Bericht belegt, dass es hier im Lande ganz unterschiedliche Schwerpunkte in der Konzeption der Offenen Ganztagsschule gibt. Aus den angeführten Beispielen geht hervor, dass mit viel Engagement unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten versucht wird, ein maßge­schneidertes Angebot hinzubekommen. Das können wir nur unterstützen.

Mit der Kooperation von Jugendhilfe und Schule haben wir uns hier im Landtag schon mehrfach beschäftigt. Richtig ist, dass die Offene Ganztagsschule in dieser Hinsicht ein zentrales Handlungsfeld darstellt. Daher bleiben wir bei unserer Forderung, dass die Nachmittags­betreuung nicht nur den Vereinen überlassen werden darf. Ohne die Einstellung von zusätz­lichem sozialpädagogischem Personal wird es letztlich nicht möglich sein, die von der KMK beschlossenen Qualitätsstandards umzusetzen. Gemeint ist damit nicht die Einrichtung von ganztägigen Schulen, wo den Kindern von morgens bis in den späten Nachmittag Wissen eingetrichtert wird. Gemeint ist vielmehr, dass Sozialkompetenz, Kreativität und das Erkunden der Welt auch pädagogisch organisiert werden muss. Daher ist es folgerichtig, dass der Bericht in dem letzten Abschnitt unter der Überschrift „Perspektiven“ die Kooperation von Jugendhilfe und Schule anspricht.

Wir begrüßen, dass mit dem Investitionsprogramm der Bundesregierung auch die qualitative Entwicklung Offener Ganztagsschulen beschlossen worden ist. Ziel ist es, sagt die Landes­regierung, im Rahmen des Programms „Ganztägig Lernen“ zum Jahresbeginn 2005 eine Beratungs- und Servicestelle für Offene Ganztagsschulen einzurichten. Sie soll Schulen und ihren Kooperationspartnern für „Beratung und Unterstützung insbesondere bei inhaltlich-konzeptionellen Fragen zur Verfügung stehen und zugeschnittene Fortbildungsangebote und Hilfen zur Implementation der Konzepte liefern. Weitere Aufgabenfelder der Servicestelle sind die Unterstützung der Akteure vor Ort bei der Erarbeitung von internen Evaluationskonzepten und der Aufbau lokaler Netzwerke“.

Das Bundesbildungsministerium hat weiterhin beschlossen, die wissenschaftliche Begleitung des IZBB sicher zu stellen. Es wird also in ein paar Jahren auch zu einer Evaluation des „schleswig-holsteinischen Weges“ beim Aufbau von Ganztagsschulen kommen, und das ist gut so.

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