Rede · 07.03.2019 Pendler: Der Norden darf nicht abgehängt werden

„Von solchen Vertaktungen träumen die Pendler in Schleswig, in Flensburg, in Eckernförde oder in Husum und genug Zeit zum Träumen hätten sie dort auf den Bahnsteigen.“

Flemming Meyer zu TOP 14 - Deutliche Verbesserungen für Pendlerinnen und Pendler im SPNV auf den Strecken der AKN und der S-Bahn (Drs. 19/1243)

(Nr. 076-2019) Als Politik haben wir natürlich das Bestreben die Dinge stets zu verbessern. Das ist legitim und dafür werden wir auch gewählt. Ein Antrag der diesen Verbesserungs-Aspekt nun aufgreift, liegt uns hier heute vor. Hier fordert die SPD deutliche Verbesserungen für Pendler im SPNV auf den Strecken der AKN und der S-Bahn. Zugegeben im ersten Moment sieht die Forderung nach einer besseren Vertaktung auf den genannten Strecken immer gut aus, weil dies eindeutig Vorteile für die Pendlerinnen und Pendler mit sich bringt. Denn richtig ist, die AKN und die S-Bahnen im Hamburger Rand sind durchaus gut frequentiert und je besser die Vertaktung ist, desto mehr gewinnt die Strecke an Attraktivität. Bessere Attraktivität bedeutet, dass wir mehr Pendlerinnen und Pendler dazu bewegen können auf ihren PKW zu verzichten und stattdessen umsteigen auf den SPNV, denn wir wissen, wie wichtig die Reduzierung des Individualverkehrs gerade in der Metropolregion ist. Von daher kann ich die Zielsetzung des Antrages durchaus nachvollziehen und er stimmt in Teilen ja auch mit den Zielen von NAH SH überein. Und zugegeben, es muss auf den Strecken noch viel gemacht werden.
Aber, ich muss auch sagen, dass ich der Auffassung bin, bevor wir hier über eine weitere Verbesserung der Vertaktung in der Metropolregion reden, sollten wir uns auch mal andere Strecken im Land ansehen, die jetzt schon eine weitaus schlechtere Vertaktung haben und auf denen auch jeden Tag Pendlerinnen und Pendler unterwegs sind. 

Im Antrag ist unter anderem die Rede von durchgängigen 10 und 20 Minutentakten. Wenn ich mir dann Strecken bei uns im Norden anschaue, dann sind das Luxus-Vertaktungen. Von solchen Vertaktungen träumen die Pendler in Schleswig, in Flensburg, in Eckernförde oder in Husum und genug Zeit zum Träumen hätten sie dort auf den Bahnsteigen. Wer beispielsweise morgens ab 5 Uhr von Flensburg nach Neumünster möchte, der muss sich dort auf einen einstündigen Takt einstellen. Auf anderen Strecken im Norden - von Husum nach Schleswig oder von Eckernförde nach Kiel – haben wir immerhin einen halbstündigen Takt. 
Natürlich ist mir bewusst, dass in der Metropolregion eine höhere Anzahl Menschen im SPNV bewegt werden muss. Aber genau aus dem Grund haben wir in der Metropolregion bereits eine bessere Vertaktung als anderorts im Land. Darum sage ich, dem Pendler in Flensburg ist es verständlicherweise schwer zu erklären, wenn wir über eine Verbesserung der Vertaktung in der Metropolregion reden. Als Landesparlament müssen wir schließlich das ganze Land im Blick haben. Das haben wir als SSW auch gesagt, als wir über den HVV-Beitritt des Kreises Steinburg geredet haben. Ein solcher Beitritt kostet Geld, Geld dass uns dann anderswo fehlt. Das sehe ich in diesem Fall genauso. Der Antragsteller hat hierzu keine Zahlen genannt, aber auch eine Verbesserung der Vertaktung wird es nicht zum Nulltarif geben. Daher wäre es für uns, aus finanziellen Gesichtspunkten heraus, durchaus interessant zu erfahren, was eine solche Vertaktung kosten würde. 
Darüber hinaus wäre es interessant zu erfahren, inwieweit sich eine solche Verbesserung der Vertaktung auf die weiteren Verbindungen der beschriebenen Strecken in Hamburg auswirken. Denn wenn wir die Vertaktung an einer Stelle ändern, hat dies Auswirkungen an anderer Stelle. Da würden wir gerne mehr erfahren. 
Eins dürfte doch klar sein, ohne dass Hamburg in dieser Frage mit an Bord ist, reden wir über ungelegte Eier. Daher stellt sich für mich auch die Frage, ist Hamburg überhaupt gewillt bei solchen Verbesserungen mitzumachen, denn auch für Hamburg wäre eine Verbesserung der Vertaktung nicht zum Nulltarif zu haben. 
Für uns wirft der Antrag eine Reihe von Fragen auf, daher sollten wir diesen Antrag erstmal im Ausschuss erörtern. 

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