Rede · 28.08.2019 Auf lange Sicht sollten wir vom Konsulatsunterricht wegkommen

Zur nordischen Sprachpolitik gehört es, dass die Muttersprache und nationale Minderheitensprachen bewahrt und ihr Erlernen unterstützt wird.

Jette Waldinger-Thiering zu TOP 19 - Herkunftssprachlichen Unterricht neu aufstellen (Drs. 19/1538) 


Im Mai sind wir mit unserer Fraktion nach Helsinki gereist. Ausgangspunkt unserer Reise war es, die finnische Sprachenpolitik aus Sicht einer Minderheit kennenzulernen und zu erfahren, wie dies im täglichen Leben umgesetzt wird. 
Zum Beispiel im Bildungssystem. Finnland hat zwei Amtssprachen - Finnisch und Schwedisch. Daher gibt es neben den finnischen Schulen auch Schwedische. In den Gebieten in Lappland, in denen die samische Minderheit traditionell wohnt, müssen die Kommunen auch für Unterricht in samischer Sprache sorgen. Außerdem wird auch Roma und anderen Minderheiten Unterricht in ihren Sprachen erteilt und finnische Gebärdensprache gelehrt. 
Insgesamt werden im finnischen Schulsystem mehr als 50 Sprachen gelehrt. Nicht flächendeckend überall, sondern dort wo Bedarf angemeldet wird. Mehrere tausend Schülerinnen und Schüler lernen so neben Finnisch und Schwedisch noch Russisch, Arabisch, Estnisch oder beispielsweise Somali oder kurdische Sprachen. Ein absolutes Vorbild für den herkunftssprachlichen Unterricht! 


Als SSW haben wir uns schon früher kritisch zum Konsulatsunterricht geäußert.
Denn zuständig für sowohl Lehrkräfte als auch Unterrichtsinhalt sind, das liegt im Namen, die Konsulate. In fünf Sprachen wird bei uns zur Zeit Konsulatsunterricht angeboten, in vier wird dies auch angenommen. 
Im Sprachenunterricht sollte um Sprachen- und Landeskunde gehen. Leider wird immer wieder befürchtet, dass einige Lehrpläne das so nicht erfüllen und dass auch religiöse und nationalistische Inhalte verbreitet werden. Deswegen finden wir es richtig, das Hospitationsrecht im Unterricht nicht nur zu haben, sondern tatsächlich auch zu nutzen und für einen Überblick an unseren Schulen zu sorgen. 
Uns gefällt daher der Ansatz, den Bedarf an Sprachenunterricht in den Herkunftssprachen an den allgemeinbildenden Schulen zu ermitteln, um sich hier einen grundlegenden Überblick zu verschaffen, mit der Perspektive den herkunftssprachlichen Unterricht in staatlicher Verantwortung einzuführen. Denn auf lange Sicht sollten wir vom Konsulatsunterricht wegkommen. Das ist möglich. In Nordrhein-Westfalen unterrichteten 2016/17 schon 551 landesbedienstete Lehrkräfte 50.070 Schülerinnen und Schüler in 18 Sprachen.  

In den Klassen haben wir es mit ganz unterschiedlichen Sprachniveaus zu tun. Kinder im doppelten Erstsprachenerwerb, Kinder mit deutsch als Erst-, Zweit- oder Drittsprache. 
Zur nordischen Sprachpolitik gehört es, dass die Muttersprache und nationale Minderheitensprachen bewahrt und ihr Erlernen unterstützt wird. Denn mit dem Erwerb der Herkunftssprache als Zweitsprache oder der Vertiefung der Erstsprache geht eben mehr einher als der rein sprachliche Zugewinn. Zugang zu Kultur, Literatur und Medien, zu Traditionen und Geschichte.  Da rennen Sie bei uns als Partei der dänischen und friesischen Minderheiten offene Türen ein. Uns geht es, das haben Sie sicher schon oft gehört, um die Integration, nicht die Assimilation. Wir wollen nicht, dass unsere Schülerinnen und Schüler ihre Kultur oder die ihrer Eltern oder Großeltern aufgeben müssen. 

Wir gehen davon aus, dass je besser ein Kind seine Muttersprache spricht, desto einfacher fällt ihm auch das Erlernen der Zweitsprache. Wir wissen, dass Mehrsprachigkeit für kognitive Vorteile sorgt und womöglich sogar Alzheimer vorbeugen kann.

Mehrsprachigkeit ist nichts, was Kinder überfordert. Im Gegenteil, sie ist gut für die Lernfähigkeit und wirkt sich so positiv auf die Gesamtleistung im Unterricht aus. Da, wo wir die Möglichkeit haben, sollten wir sie fördern! 

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